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Geschichte einer konstitutionellen Monarchie : oder Geschichte Frankreichs unter Louis Philipp b.i. 1830-1848 : nach den besten Werken und authentischen Aktenstücken / dargestellt von Simon Kaiser
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tadelten laut das öffentliche Sittenverderbniß. Ersterer behauptete,daß die öffentlichen Sitten entartet seien und daß die des Privat-lebens beginnen den öffentlichen ähnlich zu werden.Die regie-rende Klasse giebt das bedaurungswürdtgste Beispiel. Sie besitztdas werthvollste aller Rechte, die Wahl der Repräsentanten desLandes; und wenn es sich darum handelt von selbem Gebrauch zumachen, so erniedrigt sie sich, indem sie mit diesem edeln Vorrechteinen Handel zum Vortheil der verachtungswürdigsten Interessenmacht. Das Gefühl für Sittlichkeit entflieht; Wähler und Ge-wählte, hohe und niedere Beamte, kurz wer immer an der Regie-rung betheiligt ist, arbeitet nur für sein Prtvatvermögen. Es istdies ein trostloses Schauspiel. Frankreich hat in Mitte der Stürmeseiner ersten Revolution Grundsätze in die Welt geworfen, welche,wie es sagte, die menschliche Gesellschaft härten umgestalten sollen,und jetzt frägt sich Europa, aufmerksam auf die Bewegungen desfranzösischen Geistes, ob diese Grundsätze nicht eine verderblicheSaat seien, ob ihre Früchte nicht der Untergang der Sitten undob die hergebrachte Knechtschaft nicht ein besserer Zustand für dieGewissen sei, als die Freiheit." Tocqueville fügte bei:Wenn dasSchauspiel, das wir darbieten, von ferne gesehen, einen solchenEindruck hervorbringt, welche Wirkung denken Sie dann, daß esin Frankreich auf die Klassen ausübt, welche gar keine Rechtehaben? Man sagt, es sei keine Gefahr, weil kein Aufruhr dasei; man sagt, die Revolutionen seien ferne von uns, weil sich aufder Oberfläche der Gesellschaft keine Unordnung darbiete. OhneZweifel, die Unordnung herrscht nicht in den Thatsachen, aber sieist tief in die Geister gedrungen. Blicket hin auf das, was imSchooße der arbeitenden Klassen vorgeht, welche, ich gebe es zu,ruhig sind. Sie sind zwar nicht in demselben Grade durch poli-tische Leidenschaften wie früher bewegt, aber sehen Sie nicht ein,daß aus den politischen Leidenschaften soziale geworden sind? SehenSie nicht, daß sich nach und nach bei ihnen Meinungen verbreiten,welche nicht nur dieses und jenes Gesetz, dieses und jenes Ministerium,diese und jene Regierung einstürzen wollen, sondern den Staat selbst.