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Geschichte einer konstitutionellen Monarchie : oder Geschichte Frankreichs unter Louis Philipp b.i. 1830-1848 : nach den besten Werken und authentischen Aktenstücken / dargestellt von Simon Kaiser
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Denn, sagt er, wohin haben uns diese Lehren der Philosophengebracht, die sich heutzutage selbst ihrer Ansichten entschlagen, umaber die noch verkehrtere einer National-Oekvnomie, welche dieMacht des Lebens in den Besitz einiger Großen mit Unterdrückung derArmen spielt, zu predigen? Wo sind wir mit der so viel ge-rühmten Zivilisation? Auf dem Wege zur vollendeten Spitzbüberei.Denn betrachtet man den Menschen im Laufe seines Lebens, sowird man allgemein Lüge, Betrug, kurz Unredlichkeit in aller Be-ziehung, in Handel und Wandel treffen. Folgt man ihm in seineHaushaltung, in sein eheliches Leben, so bietet sich das gleiche Bilddar. Die Ehe als lebenslängliche, unauflösliche Gemeinschaft derGatten ist nicht nur langweilig, weil sie dem Hange des Menschenzuwider ist, sondern noch mit allen andern Uebeln verbunden. Sieist eine Ursache großer Ausgaben, verursacht Mißmuth, Ueberdruß,Eifersucht, Auflauern, Untreue und verderbt die Kinder, die in dieGränzen der älterlichen Haushaltung und des älterlichen Vermö-gens eingeschränkt, ihre Fähigkeiten gar nicht entfalten können, undwenn sie es mit Uebergriffen in die Haushaltung und das Ver-mögen Anderer thun, bestraft werden, so daß Abneigung und Scheugegen jede Arbeit entsteht. Betrachtet man den Ackerbau, so treffenwir eine Masse unbebauten Landes, unbeschäftigter Arme, verschleu-derter Zeit, Übervölkerung und eine hieraus erfolgende Armuth.Im Handel steht es nicht besser aus; es zeigt sich dieselbe Unbe-schästigtheit vieler Arme, dieselbe üble Verwendung der Zeit undvorzüglich die allgemeine Unredlichkeit. Diese zeigt sich in den häu-figen Bankerotten, die eine Bestehlung der Gesellschaft durch einenEinzelnen sind, der sich unredlicher Weise bereichert, oder aus KostenAnderer ernährt- im Für- oder Aufkauf, wodurch Einzelne sichder Güter der Gesellschaft bemächtigen und in bedenklichen Zeiten siewieder veräußern, um sich zu bereichern; im Handel mit Geld(Agiotage), wodurch die Mittel des Verkehrs und die Bestimmungihres Werthes in die Hände Weniger kommen, die dadurch nichtnur die Regierungen, sondern die ganze Gesellschaft in Unabhängig-keit erhalten. Die Folge davon ist das Ueberhandnehmen einer allge-