554
Die Organe und ihre Verrichtungen.
Das in den Blutadern befindliche Blut hat eine dunklere Farbe als dasder Schlagadern.
Die vorn Herzschlag herrührende stoßweise Bewegung des Blutes verschwin-det in den Haargefäßen und läßt sich daher in den Blutadern nicht als Schlagwahrnehmen. Mehrere derselben liegen der Oberfläche der Haut ziemlich nahe,so daß die größeren mit blauer Farbe durchschimmern. Verzögert man denRücklauf ihres Inhaltes nach dem Herzen, so schwellen sie außerordentlich an,wie dies oft deutlich an den über den Rücken der Hand hinlaufenden Blutadernsichtbar ist
Ein nicht allzugroßer, der Länge nach in eine Blutader gemachter Einschnittschließt sich ziemlich leicht und schnell wieder, so daß nicht selten beim sogenann-ten Aderlässen mit einem scharfen spitzen Messer, Lanzette genannt, die iminneren Armgelenke herziehende ziemlich große Blutader geöffnet und dadurchdem Körper eine beliebige Menge Blut entzogen wird. Ein leichter Verbandreicht hin, um die Oeffnung wieder zu schließen.
3. Die Saugadern und Lymphgefäße.
§. 62. Fast in allen Theilen des Körpers, sowohl unter der Haut als auch tieferliegend, findet man die Lymphgefäße. Diesen Namen erhält ein System vonsehr dünnwandigen, durchscheinenden Kanälen, die in außerordentlich feinen Ver-zweigungen im Inneren verschiedener Organe entspringen. Dieselben sind untereinander vielfach verzweigt und vereinigen sich, je mehr sie von ihrem Ursprünge'sich entfernen zu stärkeren Stämmen, die sich zuletzt an mehreren Stellen indie Adern ergießen.
Der Inhalt der beschriebenen Gefäße, die Lymphe, ist in der Regel schwachgelblich gefärbt, durchsichtig, und durch das Mikroskop entdeckt man in derselbenungefärbte rundliche Körperchen, die jedoch etwas kleiner erscheinen als die Blut-kügelchen.
Von besonderer Wichtigkeit sind diejenigen Lymphgefäße, welche ihren Ur-sprung in den Gedärmen nehmen. Es wurde bereits im h. 53 einer Mengevon schwammartigen Zellengebildcn erwähnt, welche längs des Dünndarmes an-getroffen werden. Aus diesen entspringen als feine Kanäle, die bald sich verei-nigen, zahlreiche Lymphgefäße, deren Verrichtung in nächster Beziehung zumGeschäft der Verdauung steht. Denn untersucht man den Inhalt dieser Gefäßewährend der Verdauung, so ist derselbe trüb und weißlich gefärbt, von milchi-gem Ansehen, daher der Hauptstamm, in welchem alle diese Lymphgefäße zuletztsich vereinigen, der Brustmrlchgang heißt, weil er, längs der Wirbelsäulehinaufsteigend, oben in der Brust, gerade an der Stelle, wo die linke Drossel-blutader mit der Schlüsselblutader sich vereinigt, in das System der Adern über-tritt und seinen Inhalt dem Blute beimischt.