II. Der Staat und die Regierung.
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und des LandheercS betrifft, in den zweiten, was Bevölkerung und Marineanbetrifft, stand allen übrigen voran, wenn Einheit der Regierungsgewalt,Reichthum und Bildung den Entscheidungspunkt bilden. Seine Bevöl-kerung war im ganzen Königreiche ungefähr gleich vertheilt und hatte, wennäußere Feinde drohten, im Innern keinen Aufstand zu befürchten. Be-schaffenheit des Landes, der Geist der Bevölkerung und Armee machten dieAushebung und Bewegung ver Truppen, Vertheidigung des Landes, An-griffe auf feindliches Gebiet leicht. Rußland hatte ein ausgedehntesGebiet, eine beträchtliche Bevölkerung, die aber höchst ungleich vertheiltwar; die Bildung der Armeen war schwierig und langsam. Die Bevöl-kerung bestand zum 4. Theil aus frisch eroberten Provinzen, die die russischei Nation und Regierung haßten; ein Theil der Armee war, statt zum Kriegez gegen äußere Feinde leicht zu gebrauchen, geneigt, Bewegungen im Innern^ zu unterstützen. Oesterreich stand an Bevölkerung und Größe Frankreichgleich, aber es trug im Innern bedeutende Ursachen seiner Schwäche.' Seine Völker waren der Abstammung, Sitte und Religion nach höchstverschieden; in den neuerworbenen Provinzen war es höchst verwundbar,sein Territorium nicht zusammenhängend: so war Belgien durch oft feind-liche Staaten von ihm getrennt, Mailand nur durch eine schmale Landstreckemit ihm in Verbindung. Belgien war schwer zu vertheidigen und die Be-^ völkerung Italiens, wenn auch nicht selbst im Ausstande, doch abgeneigt,
! fremden Kriegern Widerstand zu leisten. Das Gleiche zeigt sich in den vonPolen abgerissenen Provinzen. — England hatte den werthvollen Vor-theil seiner insularischcn Lage, welche es gegen Einfälle schützte. Es brauchtenicht die schwere Last einer großen Landarmee zu ertragen und konnte dahereine Ansehen gebietende Macht unterhalten zum Schutze seiner Colonien undzur Behauptung seines Ansehens in allen Theilen der Erde. Allein dieganze Bevölkerung war blos die Hälfte von der Frankreichs und keineswegsgleichartig. Schottland schloß sich wohl immer mehr an England an,aber Irland, von dessen Bevölkerung der größte Theil in seinen religiösenAnsichten verfolgt und der Verachtung anheimgegeben war, seufzte unterdem engländischen Joche und konnte als gewichtiger Hebel dienen, dieMacht Englands zu erschüttern, die durch die Unabhängigkeitserklärung dervereinigten Staaten von Nordamerika einen so schweren Schlag erlittenhatte. Spaniens Bevölkerung war wohl sehr verschieden, aber alle seineStämme waren durch das Band der Religion und einer auf allen gleichlastenden Monarchie zusammengehalten. Sein Gebiet war zusammen-hängend und hatte sich fast derselben insularischen Lage wie England zu er-