II. Der Staat und die Regierung.
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gegen Preußen und sogar die Ehe des Kronprinzen d. i. des jetzigen KönigsLudwig XVI. mit einer österreichischen Prinzessin eine so gewaltige Aufregungin der Nation. Diese Erwerbung würde seine Macht gehoben haben, indemdann seine Kräfte auf die Meerherrschast und Bestreitung derselben gegenEngland hätten gerichtet werden müssen, ein Punkt, den dieses immer mitder größten Aufmerksamkeit hat abwenden müssen. Diese Rücksichten mach-ten England und Oesterreich zu Verbündeten, zogen Holland, dem Frank-reich ein gefährlicher Nachbar geworden wäre, in ihre Verbindung. undselbst eine» bedeutenden Theil des deutschen Reiches. England, das eineConcentrirung der französischen Seekräfte daher immer fürchtete, war der be-ständige Gegner Frankreichs: in diesem Augenblicke noch mehr aus Rachewegen der Hülfe dieses im nordamerikanischcn Kriege. Preußen, daseiner Vergrößerung Frankreichs wegen seiner am linken Rbcinufcr gelegenenBesitzungen von Eleve und Jülich abgeneigt sein mußte und daher keinganz geeigneter Verbündeter werden konnte, war auf der andern Seite abernoch bedeutend mehr Feind einer österreichischen Macht und hielt sich in derMitte ruhig : seine spätere Neutralität von Basel ruht ganz auf dieser An-schauung.
Auf der andern Seite hatte Frankreich sichere Verbündete. Die Pfortegab seinen Einflüsterungen immer geneigtes Gehör und konnte, wenn sieauch im Sinken war, doch zu anderweitiger Beschäftigung der Truppen dereuropäischen Mächte dienen. Gegen Oesterreich zeigte sie beständigen Haß;jetzt nach der Theilung Polens trat das Motiv der Furcht hinzu, das sienoch mehr von jener Macht abzog. — Die Schweiz war in zweierleiRücksichten wichtig. Einmal brauchte man an ihren Grenzen nickt mitTruppenaufstellung und Besetzung von festen Plätzen seine Kräfte zu zer-splittern, sondern konnte diese von dort wegziehen und an andern Stellengeeignet verwende». Dann hals sie gegen Geld mit ihren Truppen, derenTüchtigkeit eine große Wichtigkeit hatte und noch die streitbaren KräfteFrankreichs vermehrte. Seit Ludwig XI. suchte man sich daher diese durchBündnisse zu erhalten. Oesterreich konnte sie nicht Freund werden, da ihreGeschichte dieses als ihren Erbfeind hatte betrachten lehren. Die Freund-schaft Savoyens ließ einmal bedeutende Mittel von der Ostgrenze weg zuandrer Verfügung ziehen, gab dann den Schlüssel zu den Alpen und so dieMöglichkeit, Oesterreich in Italien anzugreifen. Familienverbindungen undHoffnungen, die man dem König von Sardinien gab, auf Vergrößerungseines Gebietes aufKosten Oesterreichs, gewannen diese Macht.— Seit deinXVII. Jahrhundert hatte Frankreich einen bedeutenden Bundesgenossen an