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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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ES amüsirte mich höchlich, von ihren Reiseerlebnissenmir erzählen zu lassen, vor allem aber ergötzten mich dieGlossen, welche meine Jungfrauen über die Sitten und Ge-bräuche der von ihnen besuchten Länder machten. Da sienatürlich an Alles einen rein englischen oder vielmehr York-shire'schen Maßstab anlegten und überdieß noch eine eigeneWeltanschauungsweise hatten, die fich eben nicht durch einesehr große Universalität auszeichnete, so kann man sich leichteinen Begriff von der Natur der Urtheile machen, welcheunsere reisenden Jungfrauen über Nichtyorkshir'sche Menschenund Dinge fällten. ES thut mir in der That sehr leid, ausMangel an Raum meinen Lesern nicht einige Pröbchen ihresScharfsinnes und ihrer Beobachtungsgabe darlegen zu kön-nen; ein Paar Naivitäten muß ich indessen doch zum Bestengeben.

Mit ihrer Reise durch Frankreich und namentlich mitihrem Aufenthalt in PariS waren fic nichts weniger als zu-frieden; fie führten über angetroffenen Schmutz, Wanzenund dergleichen Dinge mehr, überaus bittere Klagen; vorallem schienen mir aber dir Jungfrauen auf ihre französischenMitschwestern übel zu sprechen zu sein und eine tiefe Abnei-gung gegen dieselben gefaßt zu haben. Den Grund für ihreAntipathie ließen sie mich nur errathen, denn um mir ein-fach zu sagen, daß die Pariserinnen bei schmutziger Straßezur Schonung ihrer Kleider den Saum der letzter» etwaszu weit vom Pflaster entfernen und daß eine reisende Fran-zösin vorkommenden Falles sich nicht sehr viel daraus mache,auf Augenblicke den Wagen zu verlassen, gebrauchten meineVorkshire'schen Fräuleins alle Feinheiten der Umschreibungund die Zartheiten der Anspielung, welche die englische