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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
Entstehung
Seite
108
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Wie weit sind wir Deutsche doch noch im Punkte derKunst der Rede gegen unsere Stammeöverwandte zurück!Wie selten finden sich bei uns noch die Männer/ welcheauch nur erträglich öffentlich zu sprechen wissen! Wieschleppend und schwerfällig/ wie aller Schönheit baar/ wiearm an ächtem Witz und Humor sind nicht die meisten derbei unsern Gastmälern ausgebrachten Trinksprüche! Wiehäufig müssen wir nicht leiden durch die wahre Herzensangst,unsern Toastenimprovisatoren möchte das Wort endlich ganz.lieh versagen! Wir haben freilich zu unserer Entschuldigunganzuführen, daß uns viel weniger Gelegenheit dargebotenwird, uns in der öffentlichen Rede zu üben, als unser»britischen Vettern und dieser Umstand ist ohne Zweifel einwesentlicher Grund, weßhalb sie uns als Redner übertreffen.Keine Kunst will in der That mehr gepflegt, mehr geübtsein, als die der Beredsamkeit, wenn man darin auch nurzu einiger Meisterschaft gelangen will. Warum aber beiuns gute öffentliche Redner so selten sind, hat meiner Ansichtnach noch eine andere Ursache. Es wird in einem großenTheile von Deutschland und der Schweiz selbst unter dengebildetem Ständen auch nicht der geringste Werth aufSchönheit und Richtigkeit der Umgangssprache gelegt; jederredet wie provinzielle Uebung und individuelle Weise eS ebenmit sich bringt. Wird das Gesagte nur verstanden, so liegtwenig daran, ob grobe Verstöße gegen Grammatik, Logikund Wohllaut begangen werden oder nicht. Ja, an man.chen Orten würde sich derjenige wenig empfehlen und sicher,lich den Vorwurf der Ziererei zuziehen, wollte er eineAusnahme von der Regel machen und einer schönen nndgewählten Sprache sich befleißigen. Wie kann man erwarten,