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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
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120
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Grundsätze vom Menschen zu trennen und allzu geneigt, den-jenigen auch in sittlicher Hinsicht niedrig zu stellen, der un-sere politischen Ansichten nicht theilt. Ein Aristokrat, waöist er in den Augen eines Freisinnigen, als ein hassenöwür-diger VolkSverächter und herzloser Selbstsüchtling. Undder Radikale, wie wird er in der Regel vom Konservativenbeurtheilt? Jener ist ein gemeiner, eigennütziger Volks-schmeichler, ein ausgesprochener Freund der Unordnung, einabgesagter Feind aller guten Sitte, ein schlechter Kerl miteinem Wort. Wie sollte nun bei einer solchen gegenseitigenWerthung irgend ein persönlicher Verkehr zwischen ihnenmöglich seyn? Vielleicht bringt die Zeit, die schon so starkeGegensätze ausgeglichen hat, auch in dieser Beziehung Ab-hülfe und leitet Annäherung zwischen demjenigen ein, wassich jetzt noch so eutschieden abstößt. Freilich sind unseresocialen Zustände zu beschränkt, die Kreise unserer politischenThätigkeit zu eng gezogen, unsere öffentlichen Verhältnissevon einer zu persönlichen Beschaffenheit, als daß man Grundhätte, zu hoffen, daß derartige Wünsche bald erfüllt werden.Zudem sind ächter Adel der Gesinnung, wahrhafte Freisinnig-keit, vorurtheilSsrcie Beurtheilung der Menschen und unbe-fangene Würdigung der Beweggründe ihrer Handlungenüberall höchst seltene Erscheinungen und von jeher dieseVorzüge nur von wenigen Einzelnen als die edelsten Privi-legten besessen worden. Die Mehrheit unseres Geschlechtesläßt sich von augenblicklichen Eindrücken, von alten Gewohn-heiten, von engherzigen Ansichten und von selbstsüchtigenBeweggründen zum Urtheilen und zum Handeln bestimmen;und so wird es in der Hauptsache bleiben bis anö Ende derTage, welches auch der jeweilige gesellschaftliche Zustand,