Thor sein, wenn bei der ihm so vielfach gewährten Wahl-freiheit er den Dictaten seines Herzens nicht folgte und eineeheliche Verbindung schlösse, die seinen Wünschen nicht ent-spräche? In der Regel wird daher seine Wahl auf einePerson fallen, die körperlich und geistig gesund und ausge-zeichnet ist und so dürfen wir unö nicht wundern, den bri-tischen Adel auch im Punkte körperlicher Vorzüge bevor-rechtet zu sehen.
Den Briten überhaupt, insbesondere aber den Englän-derinnen wird sehr häufig Steife im Betragen, Zurückhaltungim geselligen Verkehr und Kälte des KarakterS vorgeworfen.Da mir das Glück zu Theil geworden ist, während meinesmehrmaligen Aufenthaltes in Großbritannien ziemlich oft inBerührung mit englischen Frauen zu kommen, so halte ichmich für nicht ganz unbefugt und »»befähigt, über den frag-lichen Vorwurf einige Worte zu sagen.
Englische Sitte schreibt allerdings vor: gegen Unbekannteein gemessenes Betragen zu beobachten und auf dieselbenohne vorausgegangene Einführung wenig oder keine Rück-sicht zu nehmen. Natürlich haben Frauenzimmer an dieseRegel noch strenger sich zu halten, als die Herren. Fremdenun, die sich so behandelt sehen und in ihrem Lande an eineentgegengesetzte Sitte gewöhnt worden sind, können daherwohl kaum anders urtheilen, als dieß gewöhnlich geschieht.Man würde aber stark gegen die Wahrheit sich verstoßen, be-hauptete man, daß ein derartiges Betragen unter allen Um-ständen beobachtet werde und Ungeselligkeit ein hervorstechen-der Zug der britischen Natur sei. Nach meinen Erfahrungenherrscht in englischen Kreisen nicht als Ausnahme sondernalö Regel ein sehr herzlicher Ton und eine Unbefangenheit