Buch 
Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
Entstehung
Seite
169
JPEG-Download
 

IKS

des Benehmens/ welche man nicht immer in den geselligenVereinen des Festlandes und namentlich nicht immer in denenvon Deutschland antrifft. Und ist ein Fremder von guterHand empfohlen, und weiß er sich alö Mann von Bildungund Erziehung zu betragen, so darf er darauf rechnen: alsein Freund des Hauses angesehen und mit einer Zuvorkam-menheit, Urbanität und Herzlichkeit behandelt zu werden,die ihn sogleich heimisch und behaglich machen müssen.Nicht aber etwa die englischen Männer allein erweisen sich aufeine solche Weise; auch die Frauen, verheirathete wie ledige,und ich darf wohl sagen, sie in einem höher» Grade nochzeichnen sich aus, durch freundliches Entgegenkommen, durchein offenes an Zutraulichkeit grenzendes Benehmen, wiedurch ein zartes von Ziererei und Prüderie gleich freiesWesen.

Der eingeführte Fremde, wenn er nur mit einiger Leich-tigkeit sich zu bewegen weiß und die Sprache des Landesetwas geschickt zu handhaben versteht, wird daher mit eng-lischen Damen sehr bald auf einen angenehmen, geselligenFuß sich seyen und mit ihnen auf die ungezwungenste Weiseverkehren können.

Während eines frühern Aufenthaltes in England lebteich einige Monate bei einem Freunde auf dem Lande undder Zufall wollte es, daß ich einige Damen zu Mitgästenhatte. Bei der ungezwungenen englischen Sitte nähertensich die Visitors einander schnell und am heimlichen Kaminedes karlour, wie auf gemeinschaftlich unternommenenSpaziergängen fügten sich die früher einander völlig Unbe-kannten rasch zu einem traulichen Kreis zusammen. Mitder eben so liebenswürdigen als hübschen Miß.. die