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Mittheilungen aus dem Reisetagebuche eines deutschen Naturforschers : England / [Ch.F. Schönbein]
Entstehung
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298
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In Großbritannien, daü sich vor allen Ländern des Kon-tinentö durch seine Anhänglichkeit an das Herkömmliche unddurch seine Achtung vor den Einrichtungen der Väter sichauszeichnet, hat auch auf seinen Hochschulen die alten aca-demischen Sitten und Gebräuche bestehen lassen und so wenigals möglich an dem lange Bestandenen geändert. Ich glaube,wie Viele auch von dem Gegentheil überzeugt sein mögen,daß sie hieran wohl gethan haben und daß das Fortbestehendieser uralten Formen auch eine der Ursachen ist, welcheden englischen Universitäten, trotz ihrer mannigfaltigen offen-baren Mängcl, einen so eigenthümlichen Reiz gibt und eineHaltung und Würde verleiht, welche wir vergeblich an un-sern formlosen puritanischen Hochschulen suchen.

Wie es scheint, haben die Begründer des Kollegees für nothwendig und zweckmäßig erachtet, ihrer neuenStiftung den Stempel des Alterthümlichen aufzudrücken undin dieselbe Formen einzuführen, die in einer längst vergan-genen Zeit ihren Ursprung genommen.

Während meiner Anwesenheit in London wurde derIahreskurs der medizinischen Schule des Kollegiums eröffnetund hiezu eingeladen, säumte ich nicht, dieser akademischenFeierlichkeit, welche in einem der geräumigsten Säle derAnstalt,vor sich ging, beizuwohnen. Auf einer abgesondertenBank saßen im Halbkreise herum die Professoren, angethanmit ihren schwarzseidenen Talaren, zu gleicher Zeit dasakademische Barett mit oblonger Krämpe und eiförmigemKopfe bei sich führend. Hinter ihnen erhob sich amphithca-tralisch das zahlreiche Publikum, zum größten Theile ausStudirenden der Anstalt bestehend, Arnott, einer

der beliebtesten und geachtelsten medizinischen Professoren