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Bilder aus Rußland.
sehr gewöhnliche Erscheinung, daß die Alte» aus der arbeitendenKlasse blind werden, worüber man sich in Rußland eben so wenigaufhält, als man es bei uns sonderbar findet, wenn alte Leute ihreZähne verlieren. Ost sah ich, wenn ich auf meinen Reisen eineBauernstube zur Zeit des Mittags betrat, die ganze rüstige Familiewohlgemuth um ihren Tisch versammelt, während in der Ecke derStube ein altes Pärchen vor einem kleinen, niedrigen Tisch gekauert,sein Mahl verzehrte. Wenn man fragt, wer die beiden Armen sind,so erhält man die scheinbar gleichgültige Antwort: „Das Väterchenund Mütterchen vvm Hause, die schon blind sind." — Dieses früheZugrundegehen der Augen ist aber wahrscheinlich nicht bloß dem blen-denden Schnee, sondern auch der strengen Kälte überhaupt zuzuschrei-ben. Es ist eine in jenen Gegenden alltägliche Sache, daß denMenschen im Winter die Augen zufrieren: zwar nicht das eigent-liche Auge, das, wie cS scheint, auch der strengsten Kälte widersteht,aber wohl die Flüssigkeit, welche dasselbe, wenn es von der Kältegereizt wird, abzusondern pflegt. Wenn es aus der höher» Tempe-ratur der geheitzten Stube in die Kälte tritt, oder wenn ein stärkererLuftzug auf dasselbe einwirkt, so weint es, und wie die Thräne anden Rand der Augenlieder tritt und da auSeinanderflicßt, so friertsie auch schon und verschließt dadurch die Oeffnung der Augen. Indiesem Falle tritt man sogleich in das nächste Haus, und stellt sichmit dem Worte: „Isrvimte" (um Vergebung oder: es beliebe Euch)neben der Thür in die warme Stube, wo das Auge sogleich wiederausthaut, worauf man dann seinen Weg wieder fortsetzt. SolcheBesuche erhält man oft in einer Stunde mehrere, und es fällt Nie-mand ein, sich darüber aufzuhalten. Noch häufiger ist das Erfrierenderjenigen Theile des Körpers, welche sich auch in der strengsten Kältenicht gut bedecken lassen, besonders der Nase. Das erste Gefühldabei ist nicht unangenehm, und wenn man nicht besonders anfmerk-ist, oder eS schon öfters erfahren hat, so bemerkt man es auch wohlgar nicht. Desto besser aber bemerkt eS ein Anderer, da sich dererfrorne Theil sogleich durch seine bläuliche Farbe kenntlich macht undin diesem Augenblicke ist man auch schon gewiß von jedem, der unsbegegnet und inS Gesicht sieht, liebevoll erinnert zu werden, „ Ilsi-tusoliles, vvssclis nos," (Väterchen, eure Nase) schreie» die Vorüber-gehenden und eilen hastig ihres Wegs weiter. In der That bedarfes weiter keiner andern Hülse, als dieses freundlichen ZurufeS, vondem die unmittelbare Folge ist, daß der vom Frost Ergriffene sogleich