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Bilder aus Rußland.
schwer fällt, diese Umstände wieder lebhaft genug in mein Gedächtnißzurückzurufen. Ich muß noch zuweilen über mich selbst lächeln, wennich mich erinnere, wie ich einmal in Kasan um die Mitte des Okto-bers, als schon alles vor Kälte erstarrt war, einer leichten Unpäß-lichkeit wegen das Bett hüten mußte und zum Zeitvertreib von meinenKindern ihr Lesebuch, Weisse's Kinderfrennd, begehrte. Ich schlugdas Buch auf und traf auf eine Stelle, wo der Verfasser am EndeNovembers, Mittags, auf einer noch grüne» Wiese an der Meistespazieren geht. Mir traten Thränen des UnmuthS und der Reue indie Augen, daß ich ein so herrliches, daß ich mein geliebtes und ge-lobtes Vaterland verlassen, gegen diese unwirthlichen und wie michdamals bauchte, schrecklichen Gegenden vertauscht hatte. Ich lächle,wie gesagt, noch zuweilen, wenn ich mich seneS Kleinmuths erinnere,aber die Thräne, die ich damals nicht zurückhalten konnte, war einesehr ernste Thräne, die aus der Tiefe meines Herzens kam, und ichstehe nicht dafür, daß ich die Scene, wenn ich je auf diesem Theaterwieder auftreten sollte, nicht wiederholen würde.
Der Sommer.
Ist der Winter in Rußland hart, so ist der Sommer nicht vielangenehmer. Ich bin den Russen gut, herzlich gut. Aber so gutund brav sie selbst seyn mögen, ihr Klima finde ich nicht bcneidens-werth, und ich gestehe es gern, daß ich von Herzen froh bin, esloS zu seyn. Möchten immerhin ihre Winter kalt und ihre Sommerso heiß seyn, als sie es in der That sind, wenn man nur wenigstensdurch die Zwischenzeiten jener Extreme, durch den Frühling und denHerbst wieder für jene Leiden entschädigt würde; aber daran fehltviel. Rußland hat keinen Frühling, er und seine freundlichen Ver-künde! fehlen gänzlich. Heute noch liegt die ganze Gegend so weitdes Menschen Auge reicht, in tiefer Winterkälte erstarrt und untereiner undurchdringlichen Decke von Eis und Schnee begraben; heutenoch bietet die Gegend nur das Bild des Todes und eines weitenschweigenden Grabes, und morgen schon wird, wie aus einen Zauber-schlag, die ganze Scene verwandelt. Der Wind hat sich gedreht,die Luft hat sich geklärt und die Sonne, deren Daseyn gestern mankaum bemerkte, wird heute schon durch ihre drückende Hitze zur Last.