Band 
Erster Band.
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Bilder aus Rußland.

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i Die Masse Schnees, die das ganze Land klafterhoch bedeckte, schmilztI in wenig Tagen bis auf die letzte Spur, und die Pflanzen treiben, mit Gewalt aus dem Schooße der Erde hervor. Der Landmann,der zu Anfang Mai'ö sich kaum der Kalte noch erwehren konnte, säetam Ende dieses Monats sein Getreide aus und ehe die andern zweiMonate vergangen sind, ist eS auch schon geärntet, und der Winterneuerdings vor der Thüre. Die Vegetation geht so schnell vor sich,j daß man sich ihrer Gegenwart kaum erfreuen kann, und das Land,

^ das vor kurzem noch unter tiefem Schnee begraben lag, hat die! Natur eines künstlich geheizten Treibhauses angenommen.

! Das Gouvernement Kasan, eines der fruchtbarsten des Reiches,

hat seiner ganzen Ausdehnung nach den besten Gartenboden, auchwird da der schönste, oft mannshohe Weizen gebaut. Aber kaum ister gesäct, so steht er auch schon in hohen Halmen da, und baldI darauf geht seine fröhliche grüne Farbe in das fahle Gelb des Herbstes! über, und er verschwindet von den Fluren, nichts als seine Stoppelnj zurücklassend, die bald darauf wieder durch eine dicke Schneedecke dem! Auge entrückt werden. Wie in einem Treibhause, wo alles künstlich^ und mit Gewalt der Reife entgegengesührt wird, gedeihen hier im! freie» Felde alle Früchte des Südens, die zu ihrer Reife nur einekurze Zeit fordern: die köstlichen Spargeln z. B., die an feuchtenOrten wild wachsen, und unsere in Gärten mit Sorgfalt gepflegtenan Wohlgeschmack weit übertreffen, und die ganz vortrefflichen Me-lonen, besonders die Wasser-Melonen (eucurbita cilrülus), die ichnirgends schöner und besser gesehen habe, obschon sie der Bauer, wiesein Getreide, auf dem freien Felde säet und dann der lieben MutterNatur überläßt. Was aber längere Zeit zur Reife braucht, kommtdort nicht fort, und wird auch nur in Gärten und eigentlichen Treib-häusern gehalten. Unsere gemeinen Pflaumenbäume, die in jedemBaumgarten Deutschlands wachsen, werden dort wie Pomeranzen-bäume in eigenen Gefäßen im Glashause gezogen und nur an denschönsten Sommertagen in die freie Lust gebracht, und unsere Schlehen(?ruuu8 spinoss) die bei uns als Unkraut nebe» den Feldern wuchern,müssen dort ebenfalls, wenn man Früchte von ihnen erhalten soll, indas Glashaus gebracht werden. Demungeachtet steigt die Hitze inder Mitte des Sommers in etwa 5 oder 6 Wochen nicht selten bis30" R. im Schatten, und die beinahe immerwährende Gegenwartder Sonne während dieser Zeit macht den Aufenthalt in jener Gegendnicht minder beschwerlich, als die enorme Kälte im Winter.