Knebel's Nachlaß.
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Karl Ludwig von Knebel wurde am 30. November 1744auf dem Schlosse zu Wallerstein im Oettingenschen geboren, wo seinVater als fürstlicher Kanzler angestellt war. Seine Vorältern stamm-ten aus Belgien, wo einer derselben seiner Religion wegen im Jahr1572 in Antwerpen verbrannt worden war, weßwegen sich seine Kindernach Deutschland flüchteten. Erst der Vater unseres Knebel erhieltden Adel von K. Friedrich II., weil er, beim Anfange des sieben-jährigen KriegS, in RegenSbnrg sein Votum zu dem Bannedikt ver-weigerte, welches die Reichötagversammlung gegen den König vonPreußen beschlossen hatte.
Seine Erziehung war die gewöhnliche jener Zeit. Das Latein,allem übrigen vorausgehend, war das Steckenpferd der Pädagogik,und dann folgte der Katechismus, der zu einer fast militärischen Takt-festigkeit einerercirt wurde. Die Geschichte wurde in trockenen Tabel-len nebenhin dem häuslichen Fleiße überlassen, da den ganz im Fa-milienleben versunkenen Deutschen, selbst durch die Thaten des großenKönigs, kein historischer Sinn eingeimpft werden konnte. Bildungund Unterricht waren bloße Gedächtnißsache, der Verstand blieb un-bebaut liegen, an höhere Ideen wurde nicht gedacht, und alles freiere,geistige Leben wurde unterdrückt. Wie viel anders ist eS wohl seit-dem bei uns geworden! — Einer seiner Lehrer war der bekanntefromme lyrische Dichter Utz.
Am Ende mußte er, wie alle, die sich irgend einen bedeutendenRuf erworben haben, sich selbst helfen. Die Wissenslust spannte dieFlügel seines jugendlichen Geistes. Er kramte unter den Büchernseines Vaters, und vertrödelte viel Zeit mit zweckloser Lectüre. Unterdiesen Büchern fand er auch Spalding'S Schrift „über d>e Bestim-mung des Menschen." Sie regte die beunruhigendsten Fragen in ihmauf, über seinen Ursprung, seine Bestimmung und über alle die ge-heimnißvollen Gegenstände, mit welchen die räthselhafte Sphynx dieGemüther der besseren Menschen, in der Jugendzeit vorzüglich, zuplagen pflegt. Vor dieser Klippe retteten ihn Joung's Nachtgedanken,die ihm sein älterer Bruder empfohlen hatte, und die ihn auf eineunwiderstehliche Weise lange Zeit durch ganz gefesselt haben.
Da aber auch durch diese Gedichte seine frühere Schwärmereiin ihrer Richtung nicht geändert wurde, und wohl sogar neue Nah-rung erhielt, so hatte er es für ein Glück zu rechnen, daß ihn balddarauf Kleist's Frühling eben so mächtig, wenn gleich auf eine lieb-lichere und unschädliche Weise, anzog.