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Knebel's Nachlaß.
ihre Meister heraufbeschworen, und bereichern sich wohl noch an ihrenSchätzen, ohne dafür, wie jene, daö Glück ihres Lebens und dieRuhe ihrer Seele einzusetzen. Diese von der Natur vielleicht vor-züglich Geliebten besitzen die Kunst, sich auf ein trauliches, genießen-des Znfriedenleben zu verstehen. Denn ihnen gehört der Tag, unddem Vergnügen nachgehend, können sie wählen und beginnen, wozueben der süße Zug der Laune sie lockt. Behaglich siedeln sie sich injeder Liebhaberei an, und sind immer mit so Vielerlei beschäftigt, daßsie eben so gut nichts thun können, ohne sich dadurch leer zu finden.Vor lauter Dichten und Denken, daS wie ein vergnügter Müßiggangimmer in ihnen spinnt, können sie nie zum eigentlichen Denken undDichten gelangen. Sie blicken zum Fenster hinaus, und unterhaltensich Stunden lang mit den vorübersegelnden Wockenbildern, und wäh-rend die anderen, producirenden Geister von der Leidenschaft dcSMüssen 6 gepeinigt werden, den Reizen deö gewohnten HinlebenSentfremdet sind, den Glockenschlag der liebenden Stunde überhören,und für sich selbst und für ihre nächsten Verhältnisse nur zu oft ganzverloren gehen, — wissen diese mit ihren feinen Fühlhörnern sichüberall anzuemp finden, und als gute Gesellschafter und eigentlichaccompagnirende Geister die widerstrebendsten Elemente zu vereinigen,zu mischen und geistig zu vermitteln. Sie schmiegen sich den Trägernder Ideen ihrer Zeit gelenkig an, suchen daS Neue und Gewaltigein das heimische Leben einzubürgern, und die großen Conceptionenihrer Meister, die daS daran krankende Genie nur eben, wie diekranke Muschel die kostbare Perle, von sich auSgefioßen, und als bangeWagniß in die Welt geschickt hat, in ihrem aufnehmenden Geiste zubewahren und zu hegen, bis sie dieselben, den bisher gewöhnlichenIdeen affimilirt, inS öffentliche Leben übergehen lassen, wo sie, durchihre Vermittlung, als etwas Natürliches sich erkennen lassen, und sichunter der Menge fruchtbringend fortpflanzen können. Diese weiblichenGeister, wenn man sich so ausdrücken darf, haben oft unberechenbarauf das Ganze gewirkt, und der verschwiegene Hintergrund der Ge-schichte deckt gar manches bescheidene Verdienst, das neben und unterden Heroen der Zeit den Sieg mit erringen half. — Zu diesenGlücklichen gehört vorzugsweise unser Knebel."
Die Leser werden wohl mit dieser Probe der Darstellung unseresBiographen zufrieden seyn. — Und doch ist sie nur eine sehr schwacheverjüngte Copie des wahrhaft schönen Gemäldes, welches sie aufge-stellt haben.