Knebel's Nachtaß.
323
ten, verdrehen, lügen, anf Personalitäten anspielen, das ist ihr Ge-schäft. Klotz hascht allenthalben nach Anekdoten, und weiß sie, wahroder nicht, von Freunden oder Feinden, in ein so verhaßtes Licht zustellen, daß eö gefährlich ist, von ihm gekannt oder bemerkt zu wer-den. Vor allem aber möchte ich sein Freund nicht seyn. Verachtungist alles, waS ihm gehört." — Ueber Lessing, mit dem doch Boiein näherer, selbst persönlicher Verbindung stand, finden wir hier nurWeniges, aber auch aus diesem Wenigen geht die höchste Achtunghervor, die unser Epistolograph für einen Mann dieses Gewichteshegte. Ueber Emilia Galotti, die damals, im I. 1772, erschienenwar, sagte Boie: „Welch ein Srück! Daß mir nur Niemand eindeutsches oder ein ausländisches Stück mit diesem vergleiche. Wasdarin vielleicht nicht nach unserm Geschmack ist, das ist nicht so, weiles der Vers. nicht anders machen konnte, sondern weil er es so ma-chen wollte. Denn alles ist nach seinem System. Die ganze Emiliawar sicher in seinem Kopfe so da, wie sie ist, noch ehe ein Wortniedergeschrieben war. Selbst der Streit über dieses Stück, der hierund da sich regt, ist mir lieb. Er ist ein Beweis, daß uns die schöneLiteratur nicht mehr so gleichgültig ist, wie vor zehn Jahren. Minnaerregte wenig Widerspruch, und Sara gar keinen." -— Noch wollenwir bemerken, daß in einem dieser Briefe Boie'S (vom 7. März1773) vielleicht die erste Veranlassung liegt, daß Knebel sich ent-schloß, den Lucrez zu übersetzen. Es wurde bereits oben gesagt, daßer anfangs die Aencis übersetzen wollte. Diese scheint er nun anBlume abgetreten zu haben, und wollte dafür die KovrZicm für sichnehmen. „Schon recht," schreibt Boie, „nur immer so zu, Sie diekeorgieu, Bürger den Homer, Voß den Pindar — aber wer wirdsich an den Lucrez machen?"
Wir übergehen die nun folgenden, setzt weniger interessantenBriefe, und wenden uns sofort zu Wieland. Schon der erste, vom13. Januar 1775, läßt bedauern, daß ein vorhergehender fehlt. Erhatte, wie er selbst gesteht, in einem hypochondrischen Anstoß unarti-ges Zeug über Goethe an Knebel geschrieben. Ich bin seitdem,fährt er fort, von allem Mißmuth über diesen sonderbaren großenSterblichen raüieslitsr kurirt worden. — Auch mit Klopstock wolltees nicht recht fort. Wie land hatte die Beurtheilung eines Andernüber Klopft ock^S Gelehrtcnrepublik in seinen „Merkur" aufgenommen,und besorgt nun Gegenreden und Antikritiken. Eigentlich, meint er,sollte über solche Leute gar nicht öffentlich abgeurtheilt werden. Denn
21 *