322
Knebel's Nachlaß.
leicht beweisen wollte. Um über seine neuen Versarten recht zu ur-theilen, müssen wir erst seine Abhandlung über die Prosodie erwarten.Ich möchte Ramler's offenherziges Geständniß über Klopstock'SOden wissen. Billigen kann er sie bei weitem nicht. Sie sind ganzwider sein System und seine Manier. Aber unsere Nation ist glück-lich, zwei so vortreffliche Odendichter zu haben. Auf zwei entgegen-gesetzten Wegen gehen beide sicher der Unsterblichkeit zu, wenn auchschon vielleicht nur der eine zu dem innern Tempel gelangt. Gewißist aber, daS Klopstock von Ramler nicht an reicherem Wohlklangübertreffen wird. Ramler braucht Sylben genug kurz, die nicht kurzsind. Ich erstaune über Klopstock'S Nachdenken darüber in seinenneuern Stücken. Daß Klopstock von Wieland nicht geliebt wird,weiß ich; aber ich weiß auch, daß Wieland, durch sein Urtheil, beiwahren Kennern sich nur selbst schaden wird. Uebrigens wird diewahre DiScussion über ihn der Nachwelt aufbehalten bleiben. Wic-land aber wird und kann diese DiScussion nicht liefern. So großer in seiner Art ist, so hat er von dem wahren poetischen Rhythmusund Numerus nie einen Begriff gehabt. Lesen Sie alle seine Ge-dichte, alte und neue, und widersprechen Sie mir dann. PoetischenGeist hat Wieland, das weiß ich; aber seine Muse ist eine Toch-ter der Phantasie, der Philosophie und der Laune, nicht aber derEmpfindung und der Harmonie, weder jener der Seele, noch der deSOhrö. Wie könnte ein solcher Mann die tiefste Seelenharmonie, wiedie Tiefen der Kunst beurtheilen, die zu ergründen er nie Lust gehabt?"
Von Herder sagt Boie, daß selbst seine Freunde noch nichthalb wissen, welch ein tiesvenkender Kopf er ist. So viel Gelehrsam-keit mit so viel Genie vereinigt, kannte ich noch nie u. s. f. Hörenwir, wennauch nur des Contrasteö wegen, auch Lichtenberg's Mei-nung über denselben Mann: „Daö Stümpern in höhern Wissen-schaften ist, wenn eS mit einigem Witz und mit einer gewissen Du-plicität des Ausdrucks geschieht, daS, was niedere Klassen für hoheWeisheit halten. Aber der Mann vom Fache lächelt über die Thor-heit. H. in seinen Id. z. G sch. d. M. gehört hieher." Der Leserwähle nun, mit welchem von beiden er eS halten will. — UeberKlotz wird in dem Tone gesprochen, den man schon aus Lessing'santiquarischen Briefen gewohnt ist. „Er hat auch mich angegriffen,"sagte Boie, „aber ich werde ihm nichts antworten: Vinco uut vin-vor, 86inp6r mueulor. Anders geht es mit der unverschämtesten Ka-bale nicht. Namen nennen, die nicht genannt seyn wollten und durf-