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Knebel'S Naiblaß.
Diesen Wanderungen folgen Phantasien, Maximen undBilder von S. 1l!9—166, abgebrochene Betrachtungen, olt nur ineinigen Zeilen, über Leben, Liebe, Religion, Mutlosigkeit, Vornehm-seyn u. dgl. Diese Betrachtungen sind me st moralischer Art, miteinem philosophischen Anstrich, und scheinen Themata zu künftigein Ge-dichten zu seyn, die ab,r wohl meistens unausgeführt geblieben sind.Hier nur zwei, Leben und Liebe überschrieben, zur Probe, auSdenen man leicht auf die andern schließen mag.
„Im öffentlichen, thätigen Leben vergißt der Mensch die Be-wegungen seiner Fortdauer, da er in einem zurückgezogenen, einsamensolche zu oft und gleichsam unter einem Mikroskope erblickt. BcideShat Vortheil und Schaden. Das Leben drS Geschäftsmannes ist leichtgefährlichen Abiirungen unterworfen, und hat er vergessen, den erstenGrund richtig anzulegen, so wird er oft ganz verkehrte Resultate auSseiner Arbeit ziehen. — Allzugroße Weisheit macht übersichtig, allzu-große Sorgfalt verdirbt. DaS Wahre schwebt immer in der Mitte. —Frische Thätigkeit und ruhige Uebersicht, beideS gehört zusammen. Diegrößten Geschäftsmänner haben immer am meisten Zeit übrig gehabt,wie Friedrich und Napoleon. Große Bewegung erfordert tiefeRuhe."
„Die Liebe macht oft, bei ihrem Ausbruche, Menschen undThiere gleichsam zum Narren. Dem Gescheitesten hängt sie einSchellchen oder wohl gar eine Kappe auf, und immer verdreht oderverrückt sie etwas an unserm Verstände. An dem Einen wird eS vor-stechend und lächerlich, an dem andern zierlich und gefällig. AlleLeidenschaften haben ihren letzten Grund in der Liebe, so der bittereNeid, der rostfrcssende Geiz. Sie entspringen auch auS einem Ge-fühle der Wollust im Besitze. Während aber alle andern Leidenschaftendem Bau und selbst der Natur des Menschen etwas zu nehmenscheinen, so setzt die Liebe dafür etwas zu. Sie ist die Nährerinund Erzieherin deS Lebens, und hebt Thiere und Gewächse zu ihrerhöchsten Stufe. In Einer Nacht steigt die zur Befruchtung eilendeAloe einen höher» Raum empor, als sie vorher vielleicht in dreißigJahren nicht zurückgelegt hat, und eben so verändert sich auch derganze Zustand der thierischen Natur um eben dieselbe Zeit. JedeFähigkeit im Menschen hängt von dem Zuflüsse dieser begeisterndenKraft ab, und sinkt auch wieder, sobald diese abnimmt. Die leben-digste Aeußerung thierischer Natur, die Stimme, ertheilt sie auch