Band 
Erster Band.
Seite
343
JPEG-Download
 

Knebel's Nachlaß.

343

stummen Thieren, und Reiz und Gefälligkeit erweckt sie in jederNatur. Dem Menschen gibt und nimmt sie den Verstand, je nachdemsie eS zu ihren Zwecken brauchbar findet, und doch ist sie die Vollen-derin aller unserer Unternehmungen. Nur in der Liebe erhält sichGeist und Gestalt, und waö von ihrem Wesen übrig bleibt, nmschim-mcrt noch das Alter. Lebe erweckt Reiz, wie Reiz Liebe. Tugendund Tapferkeit erwacht und bewahrt sich durch dieselbe in der Brust,und jeder Funke deS Erlen und Vortrefflichen entzündet sich an ihr."

Düs n Betrachtungen folgen einige prosaische Fabeln, imGrunde wohl wieder moralisch-philosophische Betrachtungen, halb indem Tone von Lcssing's, halb in dem von Lafontaine's Fabeln.Auch davon hier eine im AuSzug: „Der Adler fand, nach einem sät-tigenden Mahle, daß eS zu einsam auf seinem Felsenneste sey. Suchedir Gesellschaft, sagte er zu sich selbst. Mit deines Gleichen magstdu nicht lcben, aber eS gibt ja noch andere Vögcl. So sprechend,ließ er sich von seinem erhabenen Sitze herab unter einen Schwärmgeringerer Vogel. Diese flo en anfangs scheu davon. Aber nachdemer sie lange zu besänftigen und an sich zu gewöhnen gesucht hatte,hielten doch einige bei ihm Stand. Sie gaben sich, jeder nach seinerArt, Mühe, ihn zu unterhalten. Es ging so eine Weile hin, aberbald wurde die Unlust deS Adlers wieder rege, und auch sein Hun-ger. Er behandelte die Vögel anfangs verächtlich, nnd dann sing eran, einen nach dem andern, der ihm zunächst kam und zutraulichwurde — aufzuflkffen."

Dann kommen philosophische nnd ästhetische Aufsätzevon S. 175 — 357 über sehr mannigfaltige Gegenstände. DieBriefe populären Inhalts S- 180 können hier nicht näher an-geführt werden, so wenig, als der Aussatz über Polytheismus Seite185, und viele andere, in welchen, neben ganz ungebundenen An-sichten, auch oft dieselbe sarkastische Laune vv'herrscht, die sich beiunserm Autor überhaupt gern regt, so oft ihm Gelegenheit dazu ge-boten wird. Nicht weniger angeimffcn würden aber auch umständlicheBerichte über die meisten andern, moralisch-philosophischen Abhandlun-gen erscheinen, die sich nicht wohl im Anszuge getreu darstellen lassen.Man kann in keinem dieser meistens nur rhapsodisch verfaßten Aufsätzeden denkenden Kopf verkennen, so wie das Bestreben nach Klarheit,und selbst nach einer gewissen Eleganz des Ausdrucks überall sichtbarist. An eigenen A> sichten, die wohl nur schwer zu allgemeinen Ma-ximen erhoben werden können, ist allerdings kein Mangel, so wie