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Knebel's Nachlaß.
auch hier die Spuren von jener kaustischen Lauge nicht fehlen, welchewir schon oben in seinen Briefen so oft angetroffen haben. In eini-gen dieser Aufsätze gibt er seinem Hange, bloß die Haupt-Ideen,welche sie leiteten, aphoristisch darzustellen, so sehr nach, daß die Lee-türe derselben, wenn man sie länger fortsetzt, zu widerstehen anfängt,wie etwa eine lange Mahlzeit, in welcher, statt der Speisen, nichtsals Gewürze aufgetragen werden. Seine Philosophie ist übrigenseine Mischung, eine glückliche Mischung, darf man sagen, von jener,die uns in den ähnlichen Schriften von Garve, Mendelsohn undvorzüglich von Herder begegnet, welcher letzte auf unsern Verfasser,so sehr dieser auch sich dagegen stemmen mag, einen unverkennbarenEinfluß äußert, so unverkennbar, daß man oft mehrere Seiten durchHerder'ö Styl und Stimme zu vernehmen glaubt. Als ausgezeichnetunter diesen Aufsätzen möchten wir die Beiträge zur Intelligenznennen, den Eingang derselben ausgenommen, der etwas zu sehr indem Geschmack der Naturphilosophen jener Zeit (d. I. 17L8) ge-halten wurde. Ferner den Aufsatz über Wohlwollen (II S. 265^),der mit besonderer Sorgfalt geschrieben ist, und aus dem wir, zurCharakteristik dieser Memoiren, einiges im Auszuge mittheilen wollen,wodurch aber freilich die schöne Rundung des Ganzen und die lieblicheFarbenvertheilung, die den Reiz des Aufsatzes so sehr erhöht, größ-tentheilS wenigstens, verloren gehen muß.
Er stellt zuerst den Satz auf, daß der Mensch aus jenen Gegen-den der Erde stamme, die eines stets freundlichen Himmels genießen,wo kein Dach zu seiner Beschützung, kein Kleid zu seiner Bedeckungnöthig ist, und wo der Boden gleichsam von selbst ihm. seine Nah-rung darbietet. „Dort wachsen auch die meisten Pflanzen, und nurwenige dagegen unter den rauhen Stürmen deö Nordens, und selbstfür diese wenigen ist eS nur der erwärmende Hauch der Sonne, dersie erweckt. Eben so gibt eS auch viele Thiere, die der Sonne undWärme nicht entbehren können, ohne gleichsam in sich selbst zu zer-fallen, und der Freude und Lebhaftigkeit ihres Daseyns beraubt zuwerden. So paßt denn auch der kalte Hauch des Nordens nicht fürunsere, aus jener glücklichen Gegend hieher versetzten Körper. DieNatur hat uns nicht für diese rauhen Gegenden geschaffen, sonst hättesie uns mit dichten Pelzen umgeben. Wir sind also Fremdlinge aufdiesem Boden. — Sollten wir nicht, unseres eigenen Wohles wegen,den Mangel der freundlicheren Natur, den Abgang wärmerer Sonnen-strahlen durch gegenseitige Güte und Gefälligkeit wieder zu ersetzen