Körte, Wolfs Leben und Studien. 353
j folgen die rauhe Bahn, um gleich ihm mit festem Schritt zum Ziel! zu wandeln, und den daselbst ausgesteckten Kranz mit eigener Hand,wie sein großes Vorbild eS gethan, auf sein Haupt zu setzen.
Wolf wurde am 15. Februar 1759 zu Hainrode geboren, einemDörfchen in der Nähe der ehemaligen freien Reichsstadt Nordhausen.
. Sein Vater war Schulmeister und Organist des Dorfes. SeinerMutter verdankte er die erste Pflege und Bildung. So arm siewar, so konnte man ihrer Stube doch nichts davon absehn. DurchOrdnung und Reinl chkeit wußte sie jede äußere Spur ihrer Dürftig-keit zu verbergen, und als sie eine alte Nachbarin einst eine armeFrau nannte, sagte sie, das sey sie nicht, und nur der Teufel seyarm, drum heiße er auch der arme Teufel. Eben so wenig wolltesie von dem sogenannten bloßen „guten Gemüthe" wissen, wenn eSsich nicht durch gute Handlungen äußert. „Nachbars Kuh, sagte sie,hat auch ein gut Gemüth, aber keine Milch." Der Knabe blieb ihrauch biö an ihr Ende herzlich zugethan, und wer sie beide näherkannte, erblickte auch in ihm daö geistige Bild der Mutter. Wolfdankte ihr alles, waS er Gutes an sich hatte, und er sagte oft mitBufson: Ues kiiksns tiennsnt clo leur msre lours guslilös intollee-tusllss et morlsles. Vom Vater wurde er sthr früh zum Studircnangehalten, besonders wurde Gedächtniß, deutliche Aussprache undKalligraphie geübt, die letzte so, daß der Vater immer selbst die Fe-dern schnitt, und zwar vortreffliche, woran der Sohn sich so gewöhnte,daß er in seinem zwanzigsten Jahre noch selbst keine gute schneidenkonnte. Wer von den Studenten in Göttingen ihn, auch spät noch,besuchte, mußte einige wohl geschnittene Federn mitbringen, wenn erwillkommen seyn wollte. In seinem vierten Jahre begegnete ihm einUnglück, das von bösen Folgen hätte seyn können. DeS NachbarsGarten trug, wie ihm schien, schönere Birnen, als der dcS Vaters:er bestieg den fremden Baum, siel herab, und verletzte sich schwerdas Gesicht. Ueber zwei Monate befürchtete man, unter der unge-schickten Behandlung des Dorfchirurgus, eine Fistel, und nur seinegute Constitntion hals ihm durch.
In seinem sechsten Jahre bezog Wolf daS Gymnasium in Nord-hausen, wohin indeß auch sein Vater zum Schulrektor berufen ward.Der grundgelehrte, aber zum Pädagogen gänzlich verdorbene Joh.Andr. FabriciuS war der Rektor dieses Gymnasiums. Der Anblikdieses Ludimagisterö war grauenvoll. Er durchschritt in einem altengestreiften Schlafrocke, an welchem eine lange Peitsche hing, und inLittrow l. 23