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Erster Band.
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Körte, Wolfs Leben und Studien. 355

Am Ende dieser Zeit machte er die Bekanntschaft eines wohlschon ältern, aber im Grunde nicht minder nachläßigen Bewohnersseiner Stadt, eines sogenannten Dilettanten in der Gelehrsamkeit, dersich besonders auf die neuen Sprachen gelegt hatte, von denen er dievorzüglichsten beinahe alle, aber keine recht kannte. Hier lernte Wolfdas Französische, Italienische, Englische und Spanische kennen, das erspäter viel mehr ausbildete. DaS Englische übrigens lernten beide, wieman sagt, bloß mit den Augen lesen, da ihnen alle Mittel fehlten, dieAussprache zu erlernen. Diese Sprachen alle erlernte er gleichsamnur im Fluge, und so weit sie ihm nöthig waren, seine Lesewuth zubefriedigen. Dadurch wurde sein alter Fleiß wieder erweckt, und ertrieb es bald ärger als zuvor. Ganze Reihen von Nächten durch-wachte er, unter seinen Büchern sitzend, in einer ungeheizten Stube,und er dachte später selbst mit Schauder an die gewaltsamen Mittel,die er anwendete, sich munter und wach zu erhalten. Eimer mit kal-tem Wasser, worein er die Füße steckte, halsen eine Zeit lang umbesten, so wie auch die Verbindung des einen Auges,mit einem Tuche,um so lange mit dem andern zu lesen, und nicht beide zugleich zuermüden.

Musik übte er früh, und brachte es auch später zu einer nichtgewöhnlichen Vollkommenheit, besonders im Klavierspielen, obschon eres immer nur als Erholung trieb. Für Mathematik aber hatte erganz und gar kein Talent, und er gehörte, wie Gibbon, zu den fürdiese Wissenschaft ganz unfähigen Köpfen. Er bemühte sich öfter,wenigstens einige Kenntniß der Mathematik zu erhalten, aber immer

vergebens. Am Ende setzte sich bei ihm das Vorurtheil fest, daß, je

fähiger ein Kopf für Mathematik sey, desto weniger passe er für alleandern Wissenschaften. Plato hatte, wie man weiß, die ganz entge-gengesetzte Meinung, indem er über den Eingang seiner Akademie die

Inschrift setzte: «Sei? emrro.

In seinem fünfzehnten Jahre entzweite er sich mit seinem anma-ßenden unverständigen Rcctor Albert, der jenem Fabricius ge-folgt war, und verließ sammt den übrigen bessern Schülern daS Gym-nasium förmlich, um als Pn'vatlehrer in Nordhausen aufzutreten.

Zugleich verdoppelte sich wieder sein Privatfleiß, und er würdewahrscheinlich seine Gesundheit untergraben haben, wenn ihm die Na-tur nicht zum zweiten Male freundlich entgegen gekommen wäre.Dießmal rettete ihn die Liebe. Er hatte in einer Tanzgesellschafteine reizende junge Witwe kennen gelernt, und wurde förmlich in sie

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