Band 
Erster Band.
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375
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Körte, Wvlf'S Leben und Studien.

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Ueber Wvlf'S häusliches Benehmen erzählt unser Biograph man-ches Interessante. In seinen letzten Jabren hatte er nur einen Be-dienten in seinem ganzen Haushalt, und dieser wurde — nicht sanftbehandelt. Er forderte die strengste Ordnung im Hause, ohne sichselbst im Geringsten daran zu ballen. Immer suchte er den Ein-fältigsten aus, weil dieser am besten folgen sollte. Um ihn in derSubordination zu erhalten, gab er ihm täglich, ja stündlich Gelegen-heit, seine eigene Einfalt wie im Spiegel zu sehen, und die unver-gleichliche Geduld seines Herrn zu bewundern. In den ersten Dienst-wochen schien er der freundlichste, gutmütbigste Herr zu s-yn, aberdann stieg er allmählig höher in seinen Forderungen, die oft anSUnerträgliche grenzten. Alles wurde nach der Uhr auf die Minuteabgemacht, und daher die Taschenuhren des Herrn und des Dienersoft verglichen. Wenn nun der letzte doch einige Minuten später vonseinem Gange zurückkehrte, wurde er hart ausgesbolten. Als er einstseine Enischuldiguog m»t den Worten einzuleiten suchte: „Ich denkte"— ward er mit der Warnung unterbrochen: „Ei waS, denkte: hierwird nicht gedenkt, sondern gethut." — Das Walten war ihm imtäglichen Leben äußerst verdrießlich, wie denn überhaupt Geduld nichtin dem Verzeichnisse seiner Tugenden stand. Alles waS von ihm oderseinen Leuten gethan wurde, mußte schnell gethan s.yn, wenn er nichtunzufrieden werden sollte. Er liebte wohl die Reinlichkeit, aber ohneseiner beinahe cymsch-sorglosen Bequemlichkeit etwas aufzuopfern. Zueinem geordneten Haushalte konnte er cS nie dringen, auch hatte erkeinen Sinn für häusliche Dinge jeder Art. Des Nothwendigen hattesein Hauswesen selten genug, des Ueberflüsftgen oft viel zu viel.MerkantilischeS Erwerbs- und Erhaltungstalent fehlte ihm eben soganz, wie daS mathematische. In der G>s llschast von Frauen ent-wickelte er oft eine Lebendigkeit und Liebenswürdigkeit, über die selbstseine nächsten Freunde sich verwunderten. Seine Gelehrsamkeit stellteer nie zur Schau, auch nicht unter den Gelehrten, doch war ihmjene nackte, dünnthuende Bescheidenheit ganz unerträglich. Zuweilensprach sich sein Selbstgefühl stärker aus. So tadelte er einst in einerGesellschaft daS Buch eines sehr mittelmäßigen Gelehrten, mit demer übrigens in Frieden lebte. Die geistreiche Hausfrau wollte denGelehrten in Schutz nehmen und sagte unter andcrm: „Sie glaubengar nicht, lieber Wolf, wie der gute Mann sie hochverehrt." — Eida hat der gute Mann auch alle Ursache dazü, sagte Wolf, abersein Buch ist deshalb nicht weniger schlecht ausgefallen.