Band 
Erster Band.
Seite
485
JPEG-Download
 

Le Sage, Atlas.

485

Rücksicht hat eS der Verleger Vclten und der Drucker Braun annichts fehlen lassen, unö Deutschen einen Genuß zu verschaffen,der um so angenehmer ist, je seltener er uns zu Theil zu wer-den pflegt.

Eine sehr gefällige nnd angenehme Art, sich mit den Hauptzügenunserer Völkcrgeschichte bekannt zu machen, gewährt dieses Werk ohneZweifel, und die Idee, die oft so verworrenen Gegenstände der Ge-schichte dem Auge sinnlich darzustellen, und dadurch Ordnung, Einheitund eine leichte Uebersicht zu schaffen, kann ebne Anstand als eineganz vorzügliche anerkannt werden. Zwar sind schon manche ähnlicheVersuche vorausgegangen; aber wenn man den Fleiß, der auf diesesWerk vrwendet wurde, wenn man den Reichthum und die Ele-ganz desselben näher betrachtet, so darf ihm der Vorzug eines neuenWerkes nicht bestricken werden. Ob die Geschichte selbst durch dieseArbeit wesentlich gewonnen hat, kann eben so gut in Frage gestelltwerden, als ob die von dem Verfasser gewählte Behandlung ihrerübrigen Schönheiten ungeachtet, der Sache selbst angemessen ist. Beieiner näheren Prüfung wird wohl die erste Frage nicht zu einer be-jahenden Antwort führen, und die zweite, wenn sie gleich mehr vondem Geschmacke jedes einzelnen Lesers abhängt, wenigstens vor dembessern Theil derselben, wie wir besorgen, noch vieles zu wünschenübrig lassen. Denn ohne mit dem Verfasser über die Wahl seinerDarstellung rechten zu wollen, so dürfen wir doch fordern, daß erdieser einmal getroffenen Wahl auch durch das ganze Werk sich gleichbleibe. Der tabellarischen Form ziemt die präcise, lexikographischeForm, und diese herrscht in der That auf den meisten Blättern die-ses Werkes vor. Aber wie viele Stellen gibt es, die eine so schnei-dende Ausnahme von dieser Regel machen, daß man sich plötzlichin eine ganz und gar verschiedene Darstellung, in ein ganz neuesWerk versetzt zu sehen glaubt. Dort wird eine tabellarische, chroniken-artige Sprache beliebt, Präcision, kurze Gegensätze, glänzende Phrasen,die wie Blitze die Nacht der umliegenden Gegend erhellen, und die Leser,wenigstens augenblicklich, blenden sollen — und hier, oft auf derselbenSeite, in derselben Spalte, eine breite, weitschweifige, bis zum Uebermaßgedehnte Darstellung über Gegenstände, die nicht einmal zur Geschichtegehören, die aber den Verfasser mit sich fortreißen, und ihn so sehrbeherrschen, daß er aus dem Tone veS Epitomatorö in den des Red-ners und aus der Sprache eines Tabellenmachers in die eines Predi-gers verfällt. So heißt es, um von dieser Ungleichheit des Styleö