494 Garthe, über den Heiligenschein.
welche das Haupt der Bildsäulen gegen Schmutz und Weiter schützensollten. WaS G. von dem Gesichte Benvenuto Cellini'S, dessenAutobiographie uns Göthe so schön in unserer Sprache gegeben hat,mittheilt, tritt allerdings der Sache näher, kann aber doch nicht alsdaS Zeugniß eines unbefangenen Menschen angesehen werden. Celliniwar durch die lange und grausame Einkerkerung, wie seine Geschichteselbst deutlich zeigt, mit seiner Phantasie in Unordnung gekommen;der sonst so kräftige Mann unterlag; seine GeistcSstärke, die er so oftin der Stunde der Gefahr erprobt hatte, ermattete unter langenQualen, und nirgends auf der Erde Hülfe erblickend, seine Errettungfür unmöglich haltend, wandte er sein geistiges Auge gegen andereRegionen, und sah oder glaubte doch zu sehen, was vor und nach ihmkein nüchterner, vorurthcilöfreier Mann gesehen hatte. Die Stelle imzweiten Buche Mosis beweiset nicht, was sie G. beweisen läßt, unddie in ver Apostelgeschichte Cap. 26 scheint vollends gar nicht hieherzu gehören, da die Umstände und die Erscheinung selbst von dem hierbehandelten Gegenstände zu verschieden sind, daher denn auch derVers. zu mehreren sehr gezwungenen Erklärungen seine Zuflucht neh-men mußte: Die Nachricht des Plinius von dem schlafenden Knabenist zu trocken, um darauf Erklärungen zu gründen, und der Text desVerfassers puero «lormienti csput ursisse ldrunt spricht weder vomSchatten, noch von einem lichten Saume desselben, noch von derSonne, noch von einer bethautcn Wiese, und die ganze Geschichte ge-hört, wenn nicht in das Reich der abergläubischen Dichtungen, vondenen bekanntlich die Römer sehr große Freunde waren, so doch gewißnicht in die Klasse derjenigen Naturphänomene, von welchen hier dieRede ist. -
Dieser zweite Abschnitt scheint also nur zu beweisen, daß ent-weder die Alten diese Erscheinung nicht kannten, oder daß der Ver-fasser sich nicht sorgfältig genug um solche Nachrichten umgesehenhat, die von einer früheren Bekanntschaft mit dieser Erscheinung zeugenkönnen.
Wir gehen zu der dritten und wesentlichsten Abtheilung, zu denvon dem Vers. selbst angestellten Experimenten über. Ohne sie hieralle nach der Reihe anzuführen, bemerken wir nur folgende wesentlicheEigenheiten dieser Erscheinung.
In Beziehung auf die Zeit wird das Phänomen nur etwadrei Stunden nach dem Ausgange oder eben so lange vor dem Un-