Band 
Zweiter Band.
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Petzholdt's Geologie.

dieselbe Erdkruste an anderen Stellen wieder vielleicht so dünn geblie-ben ist, daß sie-durch eine von innen auf sie wirkende Kraft leichtdem Zerbrechen oder doch anderen gewaltsamen Bewegungen (unseremErdbeben) bloßgestellt war. — Auf diese Weise haben sich demnachin der Folge der Zeiten, vielleicht während einer Reihe von vielenJahrtausenden, die schwereren und solideren Materialien, die anfangsin jenem trüben Dunstkreis der Erde verbreitet waren, allmälich injener soliden, den dichten Luftkern umgebenden Kugelschale der Erde,auf unserer gegenwärtigen Erdoberfläche vereinigt, und über derselbe«steht nur mehr unsere heutige rein lustförmige Atmospäre hervor, derehemalige Träger der ganzen Erde in jener altergrauen Vorzeit, wodie ganze Erde mit allen ihren festen und flüssigen Theilen in jenertrüben und weit verbreiteten- Dunstkugel aufgelöst war. ChemischeProzesse, Gasentwicklungen und Explosionen von Dämpfen, die in demso stark verdichteten Centralluftkern in der Vorzeit heftiger, aber auchjetzt noch auf eine oft sehr bedeutende Weise Statt haben können,werden die jenen Kern umgebende und nicht überall gleich starke Erd-kruste an einzelnen Stellen erschüttern, in die Hohe treiben oder ganzdurchbrechen, wodurch dann die neptunischen und vulkanischen Revo-lutionen erklärt werden können, die unsere Erde schon so oft erlittenzu haben scheint, oder sie werden, wenn sie diese Kruste auch nicht zuzertrümmern vermögen, in der unteren Luft Stürme und heftige Wo-gen erzeugen, die sich auf Tausende von Meilen erstrecken, und unsals Erdbeben fühlbar seyn werden.

Wem bei dieser Deduktion die Ansicht, daß alle, auch die feste-sten Körper in letzter Analyse aus Luft bestehen, zu auffallend erscheint,der erinnere sich nur, daß inflammable Luft, mit Lebenslust vermischt,Wasser gebe, und daß aus Wasser durch die bloße Kälte festes Eiswerden kann. Dasselbe Wasser, aus gebrannten Gyps gegossen, ver-härtet sich mit ihm zu einem steinförmigen Körper, aus dem wir Sta-tuen machen, die also, in letzter Instanz, eigentlich aus zwei Luftar-ten bestehen. Wasser entsteht uns der Luft, viele Pflanzen entste-hen aus dem Wasser, und unzählige Thiere leben nur von Luft,Wasser und Pflanzen, also eigentlich allein von Lust, da Wasser undPflanzen ebenfalls von der Luft kommen. Diese Thiere sind daher,wie jene Statuen, aus Luft gebaut, und der Elephant ist aus Luftzusammengeronncn, wie Franklin'S Welt. UebrigenS ist, wie die Leserauch ohne unsere Erinnerung bemerken, jene ursprüngliche Dunstkugel,jener trübe Nebel, jene chaotische Urmaterie, aus der unsere Erde her-