Band 
Zweiter Band.
Seite
274
JPEG-Download
 

274

Ilersebel, Irestiss an ^sti-onom^.

j

die Muttersprache, in der und durch die allein wahre Bildung mög- <lich ist, dem gemeinen Manne und dem Pöbel unter den Schrift-stellern überlassen blieb. Die Literaturgeschichte der letzten Jahrhun- kderte zeigt unS, daß bei allen Völkern Europas wahre Wissenschaft.- ^liche Bildung erst von dem Augenblicke begann, wo sie sich von dieserLast, die wie ein Alp auf ihnen drückte, loszumachen wußten. Italien ^brach zuerst die neue Bahn, und wie durch ein Wunder erhoben sichaus dem ChaoS der so lange schlummernden Geister urplötzlich Man- ^ner, die setzt noch als erhabene Muster, als Gestirne der ersten sGröße glänzen. Nicht anders ging eö in England und Frankreich, swo sich der Genius der Literatur nicht eher frei bewegte, bis er die 1fremden Fesseln, die todte und auch ihn ertödtende Sprache abge- sschüttelt hatte. Deutschland machte diesen Versuch unter den genann- ^ten Völkern zuletzt, und blieb deshalb so lange hinter jenen zurück. .Bei uns spukten Gottschede und Consortcn, und wurden als Heroen jder Literatur, als Gesetzgeber im Reiche der W-ssenschaft und desGeschmacks bewundert, zu einer Zeit, wo bei den Nachbarvölkerndie goldene Periode der Literatur schon wieder in der Abnahme be-griffen war.

Dieser erste und nothwendigste Schritt zur wahren Bildung einesVolkes, der, wie alle unsere Erfahrung lehrt, immer nur aus ihmselbst hervorgeht,"und durch die Kultur der Muttersprache bedingt ist, zführt unmittelbar und in gerader Richtung zu dem eigentlichen Ziele, fder sittlichen und wissenschaftlichen Erhebung des ganzen Volkes selbst, ^nicht eines abgesonderten Theiles derselben, zur geistigen Erweiterung ldeS eigentlichen Lebens, nicht der abgeschlossenen, dumpfen Schule '

oder einer eigenen Kaste, die, wie ehevor in Egypten, Kenntniß und l

Wahrheit als ein nur ihr allein zustehendes Eigenthum betrachtet, ?

von dem sie, alle andern auszuschließen, ein von dem Himmel selbstihr eingeträumtes Recht zu haben vorgibt. Und doch, dieser zweiteSchritt, so unmittelbar, so natürlich er auch aus dem ersten zu fol-gen scheint — mußten nicht wieder Jahrhunderte vergehen, bis seine ^Nützlichkeit, seine Nothwendigkeit einleuchtete, selbst denen einleuchtete,die vor allem dazu berufen schienen, diesem Hindernisse entgegen zukommen, bis es, meine ich, den sogenannten Gelehrten selbst klar

ward, daß, was sie bisher für ihr Eigenthum hielten, Gemein-gut sey, und erst dann alle die reichen und wohlthätigen Früchte ^tragen könne, wenn es allen frei steht, sie zu benützen, und sie zudem Zwecke der ganzen menschlichen Gesellschaft anzuwenden?— Aber