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Zweiter Band.
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354 Kapp, Plato's Erziehungslehre.

in den gymnastischen Uebungen bestehen, die ihnen so nöthig ist, alsden Männern, damit sie ihren Körper gesund und stark erhalten. DasWeitere ihrer Erziehung hängt von dem Berufe ab, den wir ihnenin der Gesellschaft zuweisen. Bei den Thraciern müssen sie das Feldbauen und Schafe und Ziegen hüten. In Athen aber müssen sie aufihrer Stube eingeschlossen ewig Wolle spinnen. In Lacedämon besor-gen sie daS Hauswesen, die Geldverwaltung, die erste Erziehung derKinder, wobei sie aber von Kriegsübungen ganz ausgeschlossen werden.Diese Ausschließung ist aber tadclnswerth, denn welche Schande wärees für sie und für uns, wenn sie bei dem Anrücken des Feindes, stattmit uns die Massen zu ergreifen, feige in die Tempel fliehen undsich da verstecken möchten, furchtsamer als die Hühner und die Gänse,die sich gegen die stärksten Thiere für ihre Jungen zur Wehre setzenund ihr Leben wagen. Soll denn dieses ganze Geschlecht, daö unsunsere Krieger und Helden zu geben bestimmt ist, in dem Rufe stehen,an Herz und Muth jedem, auch dem feigsten Thiere nachzustehen? —Man sieht schon aus diesem Eingänge, daß in Plato'S Republik dieWeiber auch Soldaten seyn und mit kämpfen helfen müssen. Als eingroßer Staatsökonom behauptet er, daß bei seiner Einrichtung dasLand um die Hälfte mehr Einkünfte, Erzeugnisse und Soldaten erhal-ten werde. Er muß aber doch einiges Bedenken bei seinem Vor-schlage gefühlt haben, da er versichert, daß er den Spott der Miß-linge nicht fürchte, indem er hier nicht nur das Mögliche, sonderndas Beste verordne, was in einem Staate angewendet werden kann.Belächeln und bespotten, meint er, könne man alles. Hat man eSdoch sonst auch lächerlich gefunden, daß sich die Männer bei den öffent-lichen Spiele^ entkleiden, und nun wir dieß gewöhnt sind, lacht Nie-mand mehr darüber. Denn nur das Schlechte ist lächerlich, und derverdient selbst belacht zu werden, der etwas Gutes lächerlich machenwill u. s. w. Man sieht, der gute Alte ist von seinen Einfällen soleicht nicht abzubringen. Mögen sich daher, fährt er fort, die Weiberimmerhin unter den Männern unverhüllt zeigen und sich mit ihnenüben, und zwar nicht nur die jüngeren, sondern auch die alten, wiewir denn auch die alten Männer schon längst ohne Bekleidung jeneUebungen mitmachen zu sehen gewohnt sind. Jene werden dafür, in-dem sie sich ihrer Kleidung begeben, statt ihrem Mantel die Tugendüberwerfen «»rr denn es bleibe nun

einmal dabei, daß nur daS Nützliche schön, daß nur das Schädlichehäßlich sey. — Unser Verfasser stimmt diesen Vorschlägen vollkommen