386 Cunningham, brittische Literatur.
nun begann ein Strauß, der wenigstens für alle die, die selbst keinBuch geschrieben hatten, sehr unterhaltend war. Diese zwei Zeit-schriften führten ganz denselben Krieg durch, den die Whigs und To-rieS im Parlamente führten. An Verunglimpfungen aller Art warUeberfluß zu beiden Seiten. Wer mit den einen hielt, wurde von denanderen zertreten, und am schlechtesten kamen die davon, die es mitkeinen verderben und zwischen beiden die Mitte halten wollten. Fran-ciS Iefsrey war der Leiter des Uüinb Ueviovv während der Periodedes höchsten Glanzes dieser Zeitschrift, ein kenntnißreichcr, vielseitiggebildeter, von Witz überfließender Mann, im Stande, das Schlech-teste zum Schönsten und umgekehrt zu machen, aber ein Mann, ohnealle Imagination, und daher allen Dichtern und aller Dichtkunst Feind.Wo er einem Dichter, gleichviel ob einem guten oder schlechten, be-gegnete, wurde sein Zorn, ja sein Abscheu wach, und nun war ankeine Zügelung seiner selbst mehr zu denken. Er kann der eigentlicheKam, der Todschläger der englischen Poesie genannt werden, da fortanjeder VerS nur mit Zittern vor seiner Geißel niedergeschrieben werdenmußte. William Gifford war der Chorag deS tzuartsrlr Uevie>v,ein Mann von ungemeiner Belesenheit, der eine klassische Erziehunggenossen hatte, und eines besseren Looseö würdig gewesen wäre. Aberer war von sich selbst und seinen Kenntnissen so eingenommen, daß eralle anderen für Ignoranten hielt, und so ungenügsam, daß ihm auchdaS Beste nicht genügte, und endlich so herrschsüchtig, daß er durch-aus Niemand neben sich dulden wollte. An Witz kam er demJeffreygleich, an Ironie und kaustischen SarkaSmen wußte er ihn noch zuüberbieten. Wer das Unglück hatte, unter die Klauen Gifford's zufallen, war beinahe immer ein Verlorner Mann. Denn er begnügtesich nicht, wie wohl Jeffrey, seinen Gegner bloß lächerlich zu machen;er ruhte nicht, bis er-ihn euch verächtlich gemacht, bis er ihn ganzzermalmt hatte. Gifford war in seiner ersten Jugend ein Schuster,später ein Matrose, und er wußte die Sprache, die er in seinem er-sten Umgang erlernt hatte, obschon verkleidet und im besten Englischausgedrückt, auch in seinem spätern Leben zu gebrauchen. So nannteer den Dichter Bloomsield einen elenden Schuster, der seine Verse,wie dieser seine Schuhe, zusammenflickt; der Naturdichter Burns hießihm nur der schottische Bauernflegel u. dgl. Mit einigen alten Whigslebte er in derselben Art von Freundschaft, wie Polyphem mit Ulyssesin der Höhle; er sparte sie für morgen auf, wenn er die andern auf-gezehrt haben würde. Aber weh dem jungen Whig, der nicht zu sei-