416
^csäemls äs 8t. kötersbour§.
gemacht, und ihn wird man wahrscheinlich auch nicht um Rath undHülfe angehen, wenn eö in einem Lande einmal dahin kommen sollte,ein solches Institut zu errichten. Jeder nur einigermaßen geistig Ver-edelte fühlt Wünsche und Bedürfnisse von anderer, höherer Art insich, die dem Pöbel fremd sind; er lernt Freuden und Genüsse kennen,die mit den rein thierischen Trieben nichts gemein haben, und die erdaher auch mit keinem Thiere theilt. Die Freuden des geselligenLebens, wie es unter Gebildeten Statt hat, die Genüsse, welchePhantasie, und die Erkenntniß der Natur, welche Kunst und Wissen-schaft ihm gewährt, machen das eigentliche Glück seines Daseyns auS,und wer einmal mit ihnen bekannt ist, wird sie allen denjenigen weitvorziehen, die nur für die gröberen Sinne bestimmt sind.
Auch lehrt unS die Geschichte der alten und neuen Zeiten, daßder Nutzen, der eigentlich merkantilische Nutzen eS nicht ist, derdie Wissenschaft erzeugt und genährt hat. Sie weiß zu nützen, abersie ist nicht des Nutzens wegen da, und noch weniger ist sie aus demTriebe nach ihm hervorgegangen. Die Gewalt eines höher«RufeS ist eS, der die einzelnen, und der ganze Völkerschaften zumAnbau der Wissenschaft treibt. Dieselbe innere Sehnsucht, die denSokrates abhielt, mit den Künsten der Dialektik sich zu bereichern,oder den Spinoza, mit seinen Amsterdamer Glaubensgenossen zuschachern; dasselbe innere Drängen war eS auch, welches die Aegypterveranlaßte, ihre Tempel und Pyramiden zu erbauen, und welchesdaS griechische Volk für alles, waö Wissenschaft und Kunst war, ineinem solchen Maße begeisterte, daß eö noch jetzt ein hohes, uner-reichtes Muster für alle andern Völker in der Geschichte dasteht. Sieliebten die Wissenschaft ihrer selbst, nicht ihres Nutzens willen, unddarum wurden sie so groß, und darum eben wurde ihnen dieselbeWissenschaft nützlicher, als sie eS je einem andern gewesen ist.
Und auch wir selbst, sehen wir nicht, wohin wir nur die Augenwenden, daß wir beinahe alles, waS wir zu der Annehmlichkeit unddem Glücke des Lebens rechnen, aus derselben Quelle schöpften? Woman nur nach der Ursache der großen Fortschritte fragt, die unsereIndustrie seit einem Jahrhundert in allen ihren vielverzweigten Thei-len gemacht hat, erhält man die Antwort, daß die erste Grundlagederselben in irgend einer rein wissenschaftlichen Entdeckung wurzelt,ja daß selbst die weitere Ausbildung dieser Entdeckung, die zeit- undortgemäße Anwendung derselben auf die Erfordernisse des Lebens, derwissenschaftlichen Beihülfe nur selten oder nie entbehren konnte.