Band 
Zweiter Band.
Seite
421
JPEG-Download
 

^oacltzniie cle st. ?slersl>our§.

42 t

einbalsamirten Mumie, als einem mit selbstständigem Leben begabten,durch eigene Kraft sich anS sich selbst herausbildenden Wesen zu ver-gleichen. Nur in der Kunstfertigkeit, nicht in der Kunst, dieebenfalls freie Entwicklung fordert, und noch viel weniger in derWissenschaft haben sie sich hervorgethan, und auch setzt noch lassensie sich, wie gut zugelernte Affen, zu allem abrichten. Wie sehrdiese geistige Stagnation auf ihren Charakter zurückgewirkt hat, isterst in den neuesten Zeiten durch Ritter, Remusat u. a. sattsambekannt geworden. In keinem Lande, sagt der erste, ist der gemeinsteEgoismus mehr ausgebildet, als in China, wo daS Volk seit Jahr-tausenden in einen Zauberkreis gebannt ist, in welchem ihm sede höheregeistige Entwicklung versagt, aber dafür die Befriedigung der thieri-schen Lüste im vollen Maße gestattet ist. Grenzenlose Voller« injedem niedrigen Genuß; schmutzige Geldgier, die keine Mittel ver-schmäht; betrügerische Lust im Handel und Wandel; eine jedermannverkäufliche Bestechlichkeit, mit kriechender Feigheit und falscher Ge-schmeidigkeit verbunden; dies sollen, nach dem einstimmigen Berichteder neuesten Reisenden, die Hauptzüge der Bewohner dieses Landesseyn, daö schon in grauer Vorzeit in seinem Innern erstarrte, unddas sich gegen alle ihm etwa von Außen kommende Verbesserungennicht bloß mit einer endlosen Mauer, sondern auch mit einem ebenso nnüberstciglichen geistigen Bollwerke umgeben hat. — Und welchesist unter diesen Verhältnissen der Zustand deö Nationalwohlstandesdieses Landes? — Die Bergwerke wären ergiebig, aber sie werdennur wenig und ganz kunstlos bearbeit. Gold gewinnt man nur durchWäscherei in den Flüssen. Daher kennen sie auch beinahe keine Münzevon Gold oder Silber, die vom Auslande eingeführten ausgenommen-

Und wie mik der Wissenschaft, so geht es auch mit der Kunst in jenemLande. Beide kriechen nur, dem Krummholze auf hohen Bergen gleich, scheuund furchtsam an dem Boden, ohne sich je, wie ein kräftiger Baum, stolz indie Lüfte zu erheben. Hier sieht man keine mächtigen Pyramiden, keinen Domvon Hohen Säulen getiaqen, keinen den Himmel suchenden gothischen Thurm,oder dafür desto mehr Thurmchen mit bunten Glöckchen behängen. Und wieihre Baukunst, so sind auch alle ihre andern Künste zu fratzenhaften Tände-leien herabgesui ken. Dem wahrhaft Grollen und Erhabenen entfremdet, gehensie nur dem gemeinen Gewinn oder dem eitlen Tand nach, daher nur derNutz n oder der äußere Glanz ein Volk dieser Art fesseln kann, bei dem somel möglich alles lakirt, und dessen einziger Thurm von Bedeutung ver-glaßt siyn muß, wenn er ihrem Geschmacke zusagen soll.