Krusenstern, instrueiion publigu«. ^27
besonders der öffentlichen Verordnungen bezieht. — Das Werk selbstist in vier Kapitel abgetheilt. Das erste handelt von dem Ministe-rium deS öffentlichen Unterrichts, von der kais. Akademie in Peters-burg, von den Universitäten, Gymnasien, Distrikts- und Pfarrschulen,den Bibliotheken, Zeitschriften und von der Censur Rußlands. DaSzweite Kapitel betrachtet die Militär- und Marineschulen, dasdritte die geistlichen Unterrichtsanstalten, und das vierte endlichdie Bergbau-, Agrikultur - und Waisenschulen, so wie die Unter-richts-Institute der in dem Lande wohnenden Deutschen, Tataren undJöraeliten.
Indem wir nun den Inhalt dieser in mannigfaltiger Rücksichtmerkwürdigen Schrift näher zu betrachten uns anschicken, bemerken wirzuerst, daß der Verfasser von dem allgemeinen Satze, der von ihmals ein von der Geschichte bewährtes Factum dargestellt wird, aus-geht, daß die gesummte Kulturgeschichte Rußlands einen von dem allerandern europäischen Länder ganz verschiedenen Gang genommen hat.Zwei Prinzipien, ein böseS und ein gutes, hätten auf den Gang derKultur seines Vaterlandes immerwährend eingewirkt. Jenes findet erin den politischen Erschütterungen, die dasselbe durch viele Jahrhun-derte erfahren hat, und die, weit entfernt, die Kultur wenigstens indi-rekt zu befördern, wie dieß in dem westlichern Europa der Fall wäre,ihr vielmehr stets feindlich entgegenwirkten, so daß daö zweite, gutePrinzip, beinahe nichts anders zu thun hatte, als immerfort wiederaufzubauen, waö durch daö erste niedergerissen wurde. Demnach wardie Civilisation Rußlands, sagt er, daS reine Werk der Regierung,während sie bei dem gesammten westlichen Auslande eine bloße Folgeder auf dasselbe eindringenden Ereignisse gewesen ist. Bei dem letz-tem kam Licht und Bildung von den Massen, die aufwärts wirkten;dort aber kam es von oben, und konnte oft nur mit Widerstreben undzwar nur langsam in die Massen abwärts dringen, so oft man obengehindert war, aber dafür auch desto schneller, wenn für diesen obernTheil günstige Verhältnisse eintraten.
Wir wollen diese Behauptung auf sich beruhen lassen, so wie auchdie, daß die Russen schon im zehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnungeine bedeutende Höhe der Kultur erreicht haben sollen, wie der Vers.auü einem Memoir Frähn's in den Acten der Petersburger Akademieschließen zu müssen sich berechtigt hält, während der Verf. dieses Mc-moirs selbst sich nur begnügt, einige Spuren von Schriftsprache ausjener Zeit aufgefunden zu haben.