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Zweiter Band.
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Quetelet, über den Menschen.

und unsere ganze neuere Literatur würde eine andere, bessere Gestalterhalten haben. Aber der mißgünstige Genius, der ihnen den wah-ren Born des Lebens verdeckt, der sie gleich anfangs einen falschenWeg geführt hatte, warf sie nun noch den Römern in die Arme, inderen Fesseln sie noch liegen, und wahrscheinlich auch ferner nochso lange liegen werden, als sie sich unter einander selbst mit der Ehrebrüsten, die Affen von den Affen zu heißen. — Erst in unserenTagen ist, bei einigen Völkern Europas wenigstens, die in der wah-ren Bildung größere Fortschritte gemacht haben, jener Zwiespalt zwi-schen der altklassischen und der modernen Bildung, und mit ihm dasBedürfniß klar geworden, eine Literatur zu besitzen, die unS selbst,die der Gegenwart angehört, und die in der That daS Gepräge derGesellschaft trägt, in deren Mitte sie entstanden ist.

Ohne Zweifel muß man den schönen, redenden und bildendenKünsten die Freiheit gestatten, sich den Illusionen hinzugeben; aberdiese Illusionen dürfen nicht gränzenlos, und vor allem nicht unna-türlich seyn. Dem Zuhörer oder dem Zuschauer soll eS nicht zuge-muthet werden, sich urplötzlich in Jahrtausende von unS entfernte Zei-ten zu versetzen, seine Religion, seine Sitten und alle seine geselligenEinrichtungen und Gewohnheiten zu verläugnen, und für Menschen,die von uns ganz verschieden sind, dieselbe Sympathie, wie für unserenächsten Verwandten, zu fühlen. Verlangten doch auch die Altenkeine solchen unnatürlichen Opfer von ihrem Publikum, und Sophoklesoder EuripideS hütete sich wohl, den Osiriü oder die mysteriösen Festeder Isis aus Aegypten auf die Bühne von Athen zu bringen, obschondie Aegyptier von den Atheniensern selbst als ihre Lehrer in derWissenschaft betrachtet wurden.

Dieser mittlere Mensch also, um wieder zu unserem Gegen-stände zurückzukehren, dieser Typus, der einem gewissen Volke, einergewissen Zeit angehört, muß vor allem anderen, in Beziehung auf dieEntwicklung aller seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten, gekanntund auf das Innigste stndirt werden, damit dann der Künstler, derDichter, der Gelehrte von ihm alles das auswählen könne, was fürseine Studien gehört, etwa so, wie der Maler aus der Optik dieje-nigen Sätze entlehnt, die sich auf seine Kunst beziehen, oder wie er,gleich dem großen Albrecht Dürer, die Perspektive und die Anatomiestudirt, die zwar keinen eigentlichen Theil der Malerkunst, aber dafüreine sehr wesentliche, ja unentbehrliche Propädeutik für jeden bildet,der sich dieser Kunst mit Glück und Erfolg zu widmen gedenkt.