Geschichte der Philosophie. Von Dr. Heinrich Ritter,außerordentlichem Professor an der Universität zu Ber-lin. I. u. II. Theil 8. Hamburg bei FriedrichPerthes. 1829 und 1830.
(Jahrbücher der Literatur. 1831. bV.)
Wenn eine Wissenschaft eine neue Periode durchlebt hat, inwelcher von mehreren Seiten an der Vervollkommnung und Erwei-terung derselben thätig gearbeitet worden ist; wenn diese Arbeiten derEinzelnen, ohne inneren Zusammenhang mit dem Ganzen, zerstreutumher liegen, und den sichtenden, ordnenden Geist erwarten, der siezu dem großen Vorrathe der von unsern Vorgängern eingesammeltenKenntnisse legen, und als ein sicheres Erbe für unsere Nachfolgerhinterlassen kann; wenn endlich diese Gegenstände, die Resultate derBemühungen von so vielen ausgezeichneten Männern der letzten Jahr-hunderte, zu einer so großen Masse herangewachsen sind, daß esschwer wird, sie mit einem Blicke zu übersehen, und die oft nursparsamen, allein der Aufbewahrung würdigen Goldkörncr aus den sieumgebenden Schlacken herauszufinden — dann tritt das Bedürfnißein, stille zu stehen auf seinem Wege, und statt immer weiter indem Dickichte vorzudringen, vielmehr zurückzublicken auf die bereitsdurchlaufene Bahn; die auf der bisherigen Reise gesammelten Schätzezurecht zu legen, und sie so zu ordnen, daß Uebersicht und nützlicherGebrauch, ohne welche alle Kenntnisse leer und eitel sind, Statthaben kann. Daß eine solche Periode in der Philosophie seit demletzten halben Jahrhundert eingetreten ist, und daß wir nun schon
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