Ritter's Geschichte der Philosophie.
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große Verbreitung dieser Schule in Italien ist hier S. 359 viel Be-lehrendes gesagt, so wie über die bedeutendsten Männer derselben,Lysiö, KliniaS, ArchytaS u. f. Zur Zeit von Ch. G. nahm dieseSchule eine mystisch - abergläubische Richtung an, und entehrte sich durchAmmenmährchen, mit welchen sie sich an das gemeinste Volk wendete.
Die eigentlichen philosophischen Lehren der Pythagoräer aufzu-fassen, ist sehr schwer, da, PhilolauS und ArchytaS ausgenommen,nur wenige dieser Philosophen als Schriftsteller ausgetreten sind; daspätere Nachrichten nicht unterscheiden, was den alten und den, vonjenen gewiß sehr verschiedenen neuen Pythagoräcrn zugehört, und daendlich die Gehcimnißsucht dieser Schule alle nähern Untersuchungenbeinahe unmöglich macht. Der Hauptsatz ihrer Lehre war: „die Zahlist daS Wesen aller Dinge," ein Satz, der wahrscheinlich nur symbo-lisch ausgedrückt ist, und jetzt viele Deutungen zuläßt. Der Grundaller Zahlen ist die Einheit, also folgt auch alles aus dem ursprüng-lichen Eins, aus Einem Wesen, welches auch Gott genannt wird.Nach PhilolauS ist die Zahl daS herrschende Band des ewigen Be-harrens aller Dinge. Die Zehnheit aber umgrenzt jede Zahl, jedeNatur in sich umfassend; die Werke und das Wesen der Zahl erblickeman nach der Kraft, welche in der Zehnheit liege. Die Tetractys(Vierheit) aber ist die Quelle und die Wurzel der ewig fließendenNatur, und die Dreiheit (TriaS) ist die Zahl des Ganzen, weil sieAnfang, Mittel und Ende habe u. s. w. Mehr solche Tändeleien,die unseren neuen Naturphilosophen Ehre machen würden, findet manin der Sammlung der Fragmente deö PhilolauS von Böckh, inAristoteles Meteor: in Jamblichuö, Theon, Plutarch u. a.Wir verweisen die Leser auf das Werk selbst, wo der Vers. desselbenim vierten Buche diese Dinge mit viel Gelehrsamkeit umständlich aus-einandersetzt.
Diese Betrachtung der Zahlen, auf welche sie alles reduzirenwollten, brachte sie auf die Idee der Verhältnisse und besondersder harmonischen Verhältnisse, durch welche alle Dinge in der Weltgeordnet werden sollen. Das ganze Universum war ihnen daher gleich-bedeutend mit Harmonie und mit Zahl, als in welcher letzten alleindie erste angetroffen wird. Diese Harmonie in den Verhältnissenhalte die ganze Welt zusammen. Daher ihre Träume von den zehnWeltkörpern, welche in harmonischen Abständen von einander stehen,eine Idee, die bekanntlich Kepler'n so lange in seinen astronomischenVersuchen aufgehalten hat. Wo sie immer, in der Natur oder in