14 Ritter's Geschichte der Philosophie.
ihrer Einbildungskraft, solche Verhältnisse erblickten, wurden sie sogleichfestgehalten und weiter auögesponnen. So war eS .ihnen von dergrößten Wichtigkeit, daß es sieben Saiten, sieben Pleiaden und siebenVokale gebe, und daß einige Thiere alle sieben Jahre ihre Zähnewechseln sollen. Taö eigentliche Maß dieser Verhältnisse der ganzenWelt fanden sie in der Oktave, und hiemit öffnete sich ein neues,weites Feld, die Thonlehre, für ihre mystischen Speculationen. Musikund Mathematik mußten zu diesen müßigen Spielen das meiste bei-tragen, daher auch diese beiden Lehren in ihren Schulen so eifrig be-trieben wurden. Obschon wir leider in unseren neuesten Zeiten gesehenhaben, wie weit sich die speculirende Einbildungskraft der Philosophenverirren kann, so mag es uns doch zu einer Art von Trost gereichen,zu sehen, daß unsere alten Vorgänger nicht besser daran waren, undan denselben Uebeln litten. Wir wollen daher hier nur kurz einigedieser Extravaganzen der alten Pythagoräer anführen. Nach ihnen istder Punkt EinS, die Linie Zwei, vie Fläche Drei, der mathematischeKörper Vier, der physische Körper Fünf. Die Erde ist ein Kubus,das Feuer eine Pyramide, die Luft ein Oktaeder, das Wasser einJkosaeder, und der alles umgebende Aether ein Dodekaeder. Unterden Elementen nimmt daS Feuer die erste und mittelste Stelle ein.Der Mond ist ein unserer Erde ähnlicher Körper, und wird von grö-ßeren und schöneren Wesen, als die Menschen sind, bewohnt. DieWelt besteht aus drei Theilen, dem Olympus, der die Reinheit derElemente; dem KoSmoö, der die Himmelskörper, und dem Uranoö,der die Erde umfaßt. Zu dem letzten gehört die Tugend, die nochunvollkommen ist; zu dem Kosmos aber gehört die ganz vollkommeneWeisheit. Die Sonne bekömmt ihr bloß geborgtes Licht von demallgemeinen Weltfeuer im Mittelpunkte des Universums. Die ZahlZwei ist daS Symbol der Meinung, des Zwistes und der Verwegen-heit, daher auch unter den Himmelskörpern die Erde mit dieser Num-mer Zwei beehrt wurde. Die Bewohner der andern Planeten sindalle vollkommner, als die der Erde, daher jenen auch alle Absonderun-gen abgesprochen werden. Alle Seelen der Menschen und Thiere sindnur ein Ausfluß der allgemeinen Weltsecle u. s. w.
Wir verlassen diese Spiele der Phantasie, und wenden uns zuder eleatischen Schule, die ihren Namen von Elea, einer griechischenPflanzstadt in Unteritalien, hat. Ihr Stifter ist XenophaneS, unddie zwei vorzüglichsten Schüler desselben sind Zeno und Parmeni-deS. Diese Schule zeichnet sich durch ihr rücksichtsloses Streben nach