16 Rittcr's Geschichte der Philosophie.
terschied der bloß sinnlichen Vorstellung und der vernünftige» Er-kenntniß. Er nimmt nur Ein höchstes Wesen an, welches ewigund unveränderlich allen Raum erfüllt. Seine Ansichten von derNatur, von dem Weltbau, kurz seine ganze Naturlehre ist uns nurin zerstreuten Fragmenten überliefert worden, aus denen sich wenigGewisses ableiten läßt. Zeno, gegen 500 vor Chr. geboren, warder Liebling und beste Schüler des Parmenides. Er soll sich, dererste, zur Darstellung philosophischer Lehren, des Gesprächs bedienthaben, eine Form des Vertrags, die später von SokrateS undPlato so ausgebildet wurde. Aristoteles nennt ihn den Erfinderder Dialektik. Viele halten ihn auch für einen der sogenannten So-phisten. Allein bei dem Ernste, den er in seine Lehre legte, warenihm wohl die Künste dieser Wortphilosophen nur Mittel zum Zwecke.Seine scharfsinnigen Spitzfindigkeiten, und die Spötteleien, mit welchener seinen Vortrag zu würzen wußte, waren schon im Alterthume be-rühmt. Er ging häufig darauf aus, zu behaupten, daß Vieles nichtseyn könne, und daß daher alles nur Eins sey. Auf diese Art griffer z. B. die Vorstellung des Raumes an, denn wenn alles, was ist,im Raume seyn soll, worin ist dann der Raum enthalten? In einemandern Raume? Aber worin ist dieser 'enthalten? Da dies so inSUnendliche fortgeht, waö unmöglich ist, denn dann könnte der Raumselbst nicht eristiren, da er nicht in einem andern Raume eristirenkann, so muß der Raum nothwendig Eins seyn, mit allen den Din-gen, die er enthält. Die ähnliche Beweisführung von Achilles undder Schildkröte ist bekannt. Immer blickt aus diesen Dingen zwarviel Scharfsinn, aber auch eine nicht geringe Hinneigung zu sophisti-schen Kunfistückchen hervor. Diese Art von Philosophie kann immer-hin schon als ein parasitischer Auswuchs der Wissenschaft betrachtetwerden, der bei der lebhaften Imagination der Griechen schnell umsich griff, und wahrscheinlich bald alle eigentliche Philosophie unmöglichgemacht haben würde, wenn nicht der hohe, praktische Geist des So-krateS daS Uebel erkannt, und mit seiner Kraft vom weiteren Fort-schreiten zurückgehalten hätte. Diese Sophisten trieben die Philosophieals ein Handwerk, ihnen war eS nur um Glanz, nicht um Wahrheitzu thun. Gewiß ist daran auch die politische Geschichte der Griechengrößtentheilö schuld. Die Athener hatten sich durch ihre Kriege mitden Persern zu einer Bedeutsamkeit, zu einem Selbstgefühle, zu einerWohlhabenheit erhoben, die sie auf diese schwelgerischen Abwege brachte,und sie endlich sogar gänzlich zu Grunde richtete. Diese heillosen