Ritter's Geschichte der Philosophie.
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Sophisten bemächtigten sich nicht nur durch ihre Reden der Gemütherder Bürger, sondern sie wurden auch bald die allgemeinen Erzieherder Jugend, und waü war von Menschen zu erwarten, die ihre Ehreund ihren Stolz in trügerischen Künsten suchten, die sie ohne Scheuund öffentlich zu Markte trugen? In den früheren Zeiten machtesich der Grieche mit einem gewissen frommen, kindlichen Glauben andie Erforschung der Wahrheit — setzt wurde alle Wahrheit lächerlichgemacht, und ihr Erforschen als Thorheit verspottet, indem man esrecht kiinstgemäß darauf anlegte, Wahrheit in Lüge und Lüge in Wahr-heit zu verkehren. Die eigene Art dieser philosophischen Speculationenbeförderte das Uebel, von dem wir sprechen, noch mehr, da sie mei-stens nur solche Gegenstände betrafen, über welche den Menschen, wieeS scheint, etwas Verläßliches zu wissen niemals gegönnt seyn wird.Dieses Herumtreiben auf losem Moorgrunde, wo der Fuß des Wan-derers nirgends feste Haltung finden konnte, brachte den unseligenZweifel über alles menschliche Wissen, und dieser Zweifel brachteendlich den Spott über alle Bemühungen, dieses Ziel zu erreichen, her-vor. Noch schädlicher wurde diese Abschweifung dadurch, daß sie auchdie Volksreligion mit in den Abgrund hinunterzog, die denn allerdingsmit allen ihren rohen und sittenlosen Mährchen, nicht geeignet war,Männer in die Länge festzuhalten, die sich angewöhnt hatten, -ihreeigene Vernunft zu brauchen, und über die Dinge in und um sichnachzudenken. Ja, wie eS gewöhnlich zu gehen pflegt, mit dieser Ge-ringschätzung des Volkskultus ging endlich aller Kultus, alle Religiosi-tät verloren, man warf den Kern mit der Schale fort, und fanv eine.Art von Stolz darin, gar keine Religion mehr zu haben. Es erregtUnwillen und Bedauern, zu sehen, wie viele der alten griechischen Phi-losophen in diese Klasse gehören. .XenophaneS griff den Polytheis-mus öffentlich an, EmpedokleS behandelte die Volkömythologie ganznach Gutdünken, waS sich übrigens die viel älteren Dichter ebenfallserlaubt hatten. Die Pythagoräer nahmen die Götterlehre ganz inihrem neuen Sinne an; Heraklit und AnaragoraS wollten siebloß noch im allegorischen Verstände gelten lassen, und der große Dich-ter Euripides, so wie ProtagoraS, Diogenes der Melier undHippon waren Atheisten, und machten weiter kein Geheimniß ausihrem Unglauben. Diese Stimmung der Ehoregen ging bald auch aufdaS Volk selbst über, und zur Zeit vor Eh. G. war nur der eigent-liche Pöbel in Griechenland und Rom noch der alten Volksreligion,natürlich auf seine Weise, zugethan. Einige edlere Gemüther hattenLittrow in. 2