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Dritter Band.
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Rirter's Geschichte der Philosophie.

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stehlich gehalten wurde, obschon sie sich nicht des gewöhnlichen fortlau-fenden Vertrages, sondern deö einfachen Gespräches bediente, durchwelches er mit einer ihm eigenen Kunst die Wahrheit, welche er zei-gen wollte, nicht sowohl in den Zuhörer hineinbringen, sondern viel-mehr aus ihm selbst herauslocken konnte. Seine Lehren bezogen sichmeistens nur auf häusliche und sittliche Gegenstände; die höheren Leh-ren der Philosophen ließ er zur Seite liegen, als unfruchtbare Spe-kulationen, und daS Getreide der Sophisten gab er seinem beißendenSpotte, ja selbst seiner tiefen Verachtung Preis. Alle Beschäftigun-gen mit übersinnlichen Gegenständen, selbst mit Mathematik und Astro-nomie, erklärte er für Zeitverlust, und cvncentrirte dafür die ganzeKraft des Menschen auf das Sittliche und auf daS ihm allein wahr-haft Nützliche.

SokrateS mußte bekanntlich i. I. 411 vor Chr., im siebzig-sten Jahre seines Alters, den Giftbecher trinken, weil er von seinenMitbürgern der Irreligiosität angeklagt war. Die Gründe zu dieserentsetzlichen Erscheinung entwickelt der Vers., II. B. 27 S., vortreff-lich. Sein Leben und sein Tod blieben nicht ohne große Wirkungauf seine Nachfolger. Viele von ihnen suchten ihn zu erreichen, meh-rere sogar zu übertreffen, aber keiner derselben hat diese schöne Mi-schung menschlicher Vollkommenheit so innig in sich vereiniget, als er,der jetzt noch als ein hohes Muster der edelsten Humanität vor unssteht. Nicht so erscheint unS sein Weib Tantippe, die vielmehr alsein häuslicher Dämon noch jetzt zum Sprichworte dient. Sie mageS wohl verdient haben, und Tenophon nannte sie selbst/r-ExMi-, die schwierigste, am schwersten zu behandelnde der Frauen.Aber doch geschieht ihr zu viel, wenn sie zugleich für eine wahrhaftböse Frau auSgeschrieen wird, da derselbe ZLenophon sie «nicht bösartig, nicht bösen Gemüthes nennt.

Auffallend ist eS, daß bei einem Manne, der sich so sehr durchBesonnenheit und Nüchternheit seiner Ansichten auszeichnete, so häufigBeispiele von Sonderbarkeiten vorkommen, die man sonst nur beiexaltirten Köpfen zu finden pflegt. So blieb er einst, als er zueinem Gastmahle ging, plötzlich auf seinem Wege und so lange stehen,bis die anderen Gäste die Hälfte der Speisen verzehrt hatte«. Soblieb er, als gemeiner Soldat, bei der Belagerung von Potidäa solange auf der Wache stehen, tief versunken im Nachdenken, bis dieSonne aufging, der er sein Morgengcbet brachte, und dann erst sichinS Lager begab. So stand er, als er mit seinen Schülern an einen

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