Band 
Dritter Band.
Seite
18
JPEG-Download
 

18 Ritter's Geschichte der Philosophie.

sich in die Sekte der Stoiker geflüchtet, um dort durch strenge Aus-übung der moralischen Pflichten eine Art von Ersatz sür den Mangelaller Religiosität zu finden, und alleö übrige, der Reiche und Vor-nehme, so wie der große Haufe, lebte sorglos in den Tag fort, ohnesich um jene Dinge weiter zu bekümmern, die für ihn längst schonalles Interesse verloren hatten. Gewiß, wenn je die Erscheinung einerneuen, die Gemüther wieder mächtig ergreifenden Religion nothwendigwar, so war es damals, alö der Sinn für diesen Gegenstand in derganzen gebildeten Welt beinahe allgemein zu erlöschen drohte. Dahinführte daS leichtfertige Spiel mit jenen philosophischen Begriffen undLehren, mit jenen Verdrehungen aller Art, die von den Sophisten inein System gebracht wurden, die k.ckeS Läugnen der Wahrheit über-haupt zur Regel machten. Mit der Wahrheit ist eS nichts, und jedeBemühung um sie ist Verlorne Mühe — daö war daS Ende allerPhilosophie in Griechenland.

Diesem kläglichen Ende zu steuern, erschien SokrateS, der jenerSophisterei einen Damm zu setzen, zu der höchsten Aufgabe seines Le-bens machte. Aber der Strom war bereits zu sehr angewachsen, unddie Hindernisse, die sich ihm entgegenstellten, zu mächtig — er unterlagder Last und mußte seine edle Kühnheit mit seinem Leben büßen.Das Wenige, was uns von seinem Leben und seiner Persönlichkeit vonden griechischen Schriftstellern mitgetheilt wurde, ist zu bekannt, umhier wieder erwähnt zu werden. Diese seine Persönlichkeit aber scheint,zur Kenntniß des Mannes, sehr wichtig, ja unentbehrlich, da sichohne sie der große Erfolg seiner Lehren kaum erklären lassen möchte.Er war im Jahre 481 vor Chr. geboren, und lebte in der eigentli-chen Blüthezeit Athens. Er verließ diese seine Vaterstadt nie, einigemilitärische Strciszüge in der Nachbarschaft ausgenommen, und ebenso trat er auch nie als Schriftsteller auf. WaS wir von seinen Leh-ren wissen, verdanken wir bloß den Schriften seiner Schüler, beson-ders jenen von Plato und Tenophon. An der Staatsverwaltungwollte er ebenfalls nie thätigen Antheil nehmen, sondern sich ganz derder Bildung der Jugend hingeben. Auch dieses sein Lieblingsgeschäftschien er erst spät angefangen zu haben, denn alle Ueberlieferungenseiner Zeitgenossen und Nachfolger schildern ihn nur als einenGreis. Seine Jugend und sein männliches Alter durch machte er sichunter seinen Mitbürgern nicht bemerkbar, desto größer wurde sein Rufgegen den Abend seines Lebens. Vor allem wird, selbst von seinenGegnern, die Kraft seiner Rede gerühmt, die beinahe für «nwider-