Ritter's Geschichte der Philosophie. 25
überläßt, was doch wohl mit anderen Worten heißen soll, daß in demphilosophischen Vortrage PlatoS viel unnütze, redselige Geschwätzig,seit herrscht. Dann kommen die wohl eben so überflüssigen Einthei»lungen der Tugend, indem er einmal vier, einmal sünf Theile der-selben annimmt, und am Ende sogar jeder Theil der Seele (?) seineeigene Tugend hat. — Noch muß bemerkt werden, auf welche WeisePlato die Lehre von dem Staate in seine Ethik zieht. Er nimmtnämlich an, daß selbst die sittlich besten Menschen, in Beziehung aufihre nächsten Gesellschaften, doch nicht zu der Vollkommenheit gelan-gen können, die dem Menschen überhaupt möglich ist, wenn ihm nichtauch zugleich in einem gut eingerichteten Staate zu leben vergönnt ist,und dieß gab ihm häufig Gelegenheit, über die beste Einrichtung derStaaten zu sprechen. Die beiden größten seiner Werke: ve rspu-blios und äs lezibus, sind diesem wichtigen Gegenstände gewidmet.Er hat uns sogar einen eigenen imaginären Staat beschrieben, eineArt Utopien, von dem er aber selbst gesteht, daß er nie ausgeführtwerden kann.
So angenehm eö uns war, und ohne Zweifel allen übrigen Le-sern dieses Werkes auch seyn wird, die lieblichen Lustgärten der grie-chischen Philosophie an der Hand des Verfassers zu durchwandeln, somüssen wir doch, indem wir ihm für daö Vergnügen, welches erunS verschafft hat, aufrichtig danken, auch offen gestehen, daß unsnoch manches zu wünschen übrig geblieben ist. Besonders wäre eSunö willkommen gewesen, wenn der Verfasser bei dem Vortrage derLehren einzelner Philosophen mehr bedacht gewesen wäre, die vielenGegenstände besser zu sondern, und die Hauptpunkte gehörig hervor-zuheben. Ost erscheinen seine Mittheilungen nur als AuSzüge auSden Schriften jener Männer, die ohne inneren Zusammenhang frag-mentarisch neben einander stehen. Ost ermangelt auch der Vortragjener bestimmten Präcision, die die Deutlichkeit so sehr befördert,und die jener weitschweifigen Redseligkeit unendlich vorzuziehen ist.Oft auch werden seine eigenen Ansichten denen der Alten, die ercommentirt, untermischt, so daß der Leser nicht mehr gut zu trennenim Stande ist, was dem einen und dem anderen angehört. Ostendlich bringt er auch gewagte und schwer zu beweisende Sätze vor,die aller Wahrscheinlichkeit ermangeln, und ihren einzigen Grund bloßin der subjektiven Ansicht des Verfassers haben. So oft unternimmter eS I. S. 419 die gehaltlosen Träume der Pythagoräcr auf seineeigene Art und ganz willkürlich sortzuspinnen; so will er häufig er-