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Rltter's Geschichte der Philosophie.
wärtS gelebt, und muß daher auch vorwärts leben oder unsterblichseyn. 5. Da sie von dem Körper unabhängig bestehen kann, so kannsie auch nicht aufhören zu seyn, weil sie von dem ihr eigenthümlichenUebel, dem Bösen, nicht zerstört werden kann. 6. Die Seele kannnur als die den Körper belebende Kraft gedacht werden, und was ihrdaher als solcher zukömmt, muß ihr immer zukommen. 7. Als Ur-sprung der Bewegung, was die Seele ist, kann sie nicht vergehen,weil sonst alle Bewegung einmal aufhören müßte. — Ueber die Artder Existenz der Seelen nach dem Tode spricht Plato sehr verschie-den. Bald schließt er sich dem gewöhnlichen Volksglauben an; baldnimmt er eine Wanderung der Seelen durch verschiedene menschlicheund thierische Gestalten zu Hülfe; bald läßt er sie wieder in ver-schiedene Gestirne versetzen oder ein ganz körperloses Leben in dieNähe des höchsten Wesens führen, während diejenigen, die ihrePflichten in diesem Leben nicht erfüllt haben, als Schatten und miteinem Ueberreste ihres Körpers ihre Gräber umschweben müssen u. s. w.Um wie viel unsere Leser durch alle diese tiefsinnigen Untersuchungenklüger geworden sind, mögen sie selbst entscheiden.
Die Ethik Plato'S endlich besteht in der Lehre von dem höch-sten Gute, von der Tugend und von dem Staate. Die Pflichten-lehre wird nirgends besonders herausgehoben. Mit Sokrateö wirdangenommen, daß Niemand freiwillig böse ist, da die vernünftigeSeele nur wider ihren Willen unwissend und eben so auch nur widerihren Willen böse seyn kann. Immer muß unö das, was wir thunoder wollen, als etwas Gutes erscheinen. DaS höchste Gut ist aberdem Menschen unerreichbar, obgleich er immer darnach streben soll.Er erklärt sich oft und auf das bestimmteste gegen die Meinung vielerseiner Zeitgenossen, daß das höchste Gut in der Lust zu suchen sey,besonders in der Lust, die gefährliche Leidenschaften erwecken, oder dasLeben zerrütten kann, vor welchen er auf daS eindringendste warnt. Diewahre, dem edlen Menschen allein angemessene Lust ist die, welcheEinsicht und Tugend verschafft. Die Eintheilungen der verschiedenenArten von Lust, wie sie Plato aufstellt, nennt der Verf. mit Rechtsehr unvollständig. Vieles hat er auch darüber gesprochen, ob dieTugend eins oder vieles sey, und diese Frage auf die allgemeinerezurückgeführt, ob Eins Vieles und Vieles Eins seyn könne. DerVers. bemerkt auch hier sehr richtig, daß solche Mischungen von Wor-ten und Sätzen oft nicht aus der Sache, sondern nur aus der Sprachehervorgehen, indem Plato sich dem unbestimmten Flusse der Rede