Band 
Dritter Band.
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Ritter's Geschichte der Philosophie.

drucks die Rede ist, gegen Aristoteles sehr nahe eben so, wie dererste der genannten deutschen Philosophen gegen den andern. Nochviel weniger aber können wir mit den weiteren Behauptungen unse-res Verfassers übereinstimmen, nach welchen der Stagirit ein bloßerSammler war; daß er, was er gesammelt, nicht überall zu belebenverstand; daß er, was davon in daö Leben des griechischen Volkeseingetreten war, sich nicht ganz zu eigen zu machen verstand; daß ernur selten in die philosophischen Lehren seiner Vorgänger eindringt,sondern meistens bei der Formel stehen bleibt, und daß er endlich da,wo jene Lehren einen dichterischen Schwung gewinnen, und bloß aufbildliche Weise genommen werden sollen, eine trockene und unzurei-chende Auffassungsgabe verräth. — Aber was in aller Welt soll diePoesie und der dichterische Schwung auf dem Gebiete der Philosophie!Mag doch Plato mit seiner blühenden Feder, mit seiner lebhaftenPhantasie, mit seinem Schmucke der Rede immerhin ein Muster derschönen Darstellung seyn und bleiben, aber mag auch dem rei-nen, von allem Fremdartigen geläuterten Verstände, der streng logi-schen Entwicklung der Ideen, der durchdringenden Schärfe, der eigent-lichen philosophischen Entwicklung ihr Recht und ihre Ehre unange-tastet bleiben, und darin steht Aristoteles ganz gewiß eben sohoch, wenn nicht höher, als irgend ein Philosoph der alten und derneuen Zeiten. Unsere heutigen sogenannten Naturphilosophen woll-ten die Strenge, deren sich die Mathematik rühmt, auf ihr Feldverpflanzen. Aber sie benahmen sich dabei sehr ungeschickt, indemsie sich nur an die äußere Form der mathematischen Wissenschaftenhielten, und auch wohl halten mußten, da sie, wie man auü ihrenSchriften selbst am besten sieht, von dem inneren derselben keineKenntniß hatten. Sie glaubten übrigens damit etwas ganz Neues,bisher Unversuchtes zu thun. Aber Aristoteles hat eS bereits vormehr als zweitausend Jahren gethan, und er hat cö auf die einzigwahre Weise gethan, indem er eben die strenge Eonsequenz der Schlüsse,deren sich die Mathematiker bei ihren Untersuchungen befleißen, inseinen philosophischen Betrachtungen einzuführen suchte. Lessing,dem diese Eonsequenz auch nicht fremd war, sagte daher ganz recht,daß ihm das, was Aristoteles in seiner Schriftüber die Natur und Eigenschaften des Drama aufgestellt hat, ganzeben so wahr und streng bewiesen erscheine, als irgend ein Satz inder Geometrie deö EuklideS, wenn gleich dort weder Figuren nochalgebraische Zeichen gebraucht worden sind.