Band 
Dritter Band.
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Ritter's Geschichte der Philosophie. 39

und vollständigsten, die man bisher über die oft schwer zu fassendeLehre des Stagiriten gegeben hat. Offenbar ist sie mit großer Sorg-falt und Vorliebe für den Gegenstand, so wie mit einer innigenKenntniß desselben verfaßt, und wenn uns noch etwas zu wünschenerlaubt ist, so wäre eö die Entfernung der eigenen Ideen und Ansich-ten, die der Verfasser an mehreren Orten, wie es scheint, bloß derbesseren Abrundung wegen, mit beigemischt hat, und die zwar aller-dings oft als sehr zweckmäßige Erläuterungen des Textes mit Dankaufgenommen werden können, die aber auch nicht selten, da sie zuinnig mit dem Texte verwebt sind, nicht unterscheiden lassen, ob manhier die Ansicht deS alten Griechen oder die seines neuen Commen-tatorS vor sich hat. Dahin gehört auch das öftere Lob und der nochhäufigere Tadel, der diesen Ansichten gespendet wird, und die den Lesernur irre machen oder doch zerstreuen, denjenigen nämlich, der einereine, kurze und deutliche Darstellung der gesammtcn aristotelischenLehre wünscht, die zu geben hier doch wohl die eigentliche Absicht deSVerfassers gewesen seyn muß. Auch ist daS Ganze zur Uebersicht zuweit auSgesponnen, und an manchen Orten zu redselig vorgetragen,während eine gedrängte, aphoristische Darstellung der diese Lehre cha-raktcrisireuden Sätze besser und schneller zugleich zum Ziele geführthätte. Endlich ist auch dieses stete Fortreden in einem ununterbroche-nen Zuge ohne alle Ruhepunkte für den Leser ermüdend, und dieAuffassung sowohl als auch die Uebersicht erschwerend. Warum habenunsere deutschen Schriftsteller überhaupt noch, wie eS scheint, einenWiderwillen gegen diese Abtheilung ihrer Vortrüge in einzelne Para-graphe oder Absätze, deren jeder, durch einen kurzen Titel, im Anfangoder an der Seite des AbsatzeS gest.llt, den Inhalt desselben anzeigt,wie wir dieß schon seit lange z. B. bei den englischen Geschichtschrei-bern, ja selbst in den älteren englischen Romanen finden? Hätte derVers. den Inhalt seiner Schrift, den er gleich im Anfange deö Ban-des für den ganzen Band aus einmal gegeben hat, ganz unverän-dert, wie er dort steht, aber nur theil weise jedem einzelnen AbsätzeVordrucken lassen, so würde dadurch die Lecture deS Ganzen ungemeinerleichtert worden seyn. ES ist doch ohne Zweifel die Deutlichkeitund Verständlichkeit eines BucheS ungemein fördernd, wenn der Leserauf jeder Seite gleich mit dem ersten Blicke sieht, um was eö sich hierhandelt, und eö ist im Gegentheile eine wahrhaft beklagenswerteMühe, die sich so viele unserer oft sehr schätzenswerten Schriftstellergeben, ihren Vertrag dadurch abzurunden, daß sie die einzelnen Par-