Treviranus, organisches Leben.
125
Zum Baue des Nestes und zum Brüten werde» die Vögeldurch einen eigenen Trieb bewogen, der eben so mächtig ist, wiejener der Begattung. Sie befinden sich während dieses Triebes ineinem fieberhaften Zustande, und ihre Wärme, besonders am Bauche,ist sehr erhöht. Die Dauer des BrütenS richtet sich bei den meisten>nach der Temperatur der umgebenden Lust, oft auch nach der Größeder Thiere selbst. Die kleinern Singvögel brüten 10 bis 14 Tage,^die großen Raub- und Wasservögel 3 bis 4 Wochen, der Strauß40 Tage. Viele Vögel lassen ihren Trieb des BrütenS, wenn ihnendie Eier genommen werden, auch an leblosen Körpern aus.
Die Milch, mit welcher die Säugethiere ihre Jungen nähren,hält in ihrer Mischung das Mittel zwischen den vegetabilischen undanimalischen Substanzen, daher sie sich zur Ernährung sowohl derfleisch- als pflanzenessenden Thiere eignet. Sie besteht aus einemkäsigen Bestandtheil, der allein Stickstoff enthält, und aus Sauer-,Wasser- und Kohlenstoff. Die Zahl der ernährenden Brüste derMutter richtet sich einigermaßen nach der Zahl ihrer Jungen. Sieist nie unter zwei und nie über vierzehn. Manche Thiere besitzendas Vermögen, ihre Milch willkürlich zurückzuhalten. So sollen dieKühe der Kalmuken nie Milch geben, wenn sie nicht beim Melkenihr Kalb vor Augen haben, und wenn sie gar zu widerspenstig sind,so wird ihnen ein hölzerner Pflock in den Aster gesteckt, worauf sieAnstrengungen machen, sich desselben zu entledigen, und dabei ihreMilch fahren lassen. — DaS Weibchen des Seebären sängt ihr Jungesnur zwei Monate, die viel kleinere Meerotter aber ein ganzes Jahr,obschon die Jungen beider Thierarten sogleich mit Zähnen zur Weltkommen. Viele andere merkwürdige, hierher gehörende Erscheinungenhat der Verfasser S. 100 u. f. gesammelt.
Das folgende zwölfte Buch ist der nähern Betrachtung desSchlafes und der periodischen Lethargie mehrerer Thiere gewidmet.Der Mensch nimmt während deS Schlafes mit seinen Sinnen keineäußere Eindrücke auf, aber die Verrichtungen des unbewußten Lebenshaben ihren Fortgang. Alle sogenannten willkürlichen Muskeln sinddann nicht erschlafft, sondern vielmehr in einem solchen Grade vonSpannung, daß keiner seinen Gegner ganz überwindet, noch von ihmüberwunden wird. Alle uns bekannten Thiere fallen zu bestimmtenZeiten, meistens in der Nacht, in Schlaf. Auch die Wallsische siehtman oft bei ruhigem Wetter zwischen dem Eise schlafen. Die vier-füßigen Thiere schlafen meistens liegend, sitzend oder in sich selbst