136
Schultze, mikroskopische Untersuchungen.
Herr Hofrath Schultze unterimmt es in dem gegenwärtigenWerke, uns über diesen Rückschritt zu beruhigen, und er führt diesesUnternehmen mit einer Umsicht und Vollständigkeit aus, die seinerBeobachtungS- und Darstellungsweise Ehre macht.
Wir wollen zuerst Brown'ö Entdeckungen kurz mittheilen, dadie Bemerkungen des Verfassers sich unmittelbar auf sie beziehen. —Brown fand zuerst in den Pollenkörnern einiger Blumen kleine cy-lindrische und längliche Körper, die wir mit ihm Moleculen nennenwollen, welche sich selbstständig bewegten und ihre Gestalt änderten,indem sie Biegungen in der Mitte machten. Nach dem Zerplatzendieser Körner im Wasser fand er diese länglichen Moleculen in ge-ringerer Menge, aber dafür desto mehr noch viel kleinere und rundeMoleculen. Selbst der Pollen von Pflanzen, die zwanzig und mehrJahre getrocknet waren, zeigte im Wasser diese runden Körper ingroßer Menge, so wie andere, die Monate durch in Spiritus gele-gen hatten. Dieselben Elementenkörper fand er später in allen vege-tabilischen und thierischen Geweben, wenn man diese, gleichviel obvon lebenden oder todten Körpern, im Wasser zerreibt oder auflöst.Ja selbst ein in Kiesel versteinertes Holz, Felsarten, GlaS und alleMineralien, wenn sie sein zerstoßen inS Wasser gebracht wurden,zeigten diese Moleculen in Menge; die Kicselkrystalle schienen nur dar-aus zu bestehen, und der Staub, der alles bedeckt, war ganz ausihnen zusammengesetzt. Diese Körperchen gleichen sich bei allen Ge-genständen, die er zu seinen Untersuchungen wählte, an kugeliger Ge-stalt und an Größe, sie schienen alle belebt zu seyn und eine selbst-ständige, bald rotatorische, bald progressive Bewegung zu haben, undselbst in den Ueberresten der verbrannten organischen Körper warensie noch in derselben Menge und mit derselben Beweglichkeit, wie vorder Verbrennung, enthalten, so daß diese Urthiere, diese Protozoen,aus welchen alle organischen und unorganischen Körper der Natur be-stehen, nicht einmal durch das Feuer zerstörbar sind, und als Bedin-gung alles Lebens und Daseyns jeder Art von Tod und Unterganggleichsam Trotz bieten.
Unser Verfasser, dem diese Beobachtungen und die daraus abge-leiteten Folgerungen mit Recht von der größten Wichtigkeit erschienen,suchte sich von ihrem Werthe auf dem einzig wahren Wege, durcheigene Beobachtungen, zu überzeugen. Auch er fand sehr bald diesekleinen Körperchen, die überhaupt den Physikern bisher nicht so ganzunbekannt waren, da der zweckmäßige Gebrauch des Mikroskops un-
I
t
!