Band 
Dritter Band.
Seite
189
JPEG-Download
 

Cuvier, Naturwissenschaften.

189

Die leidenschaftliche Liebe, welche in den neuesten Zeiten für dieNaturwissenschaften erwachte, ist selbst bis zu den höheren Klassenvorgedrungen. Der Prinz Maximilian von Neuwied und der PrinzPaul Wilhelm von Wiirtemberg ist noch von keinem Naturforscheran Muth, Geduld und an dem Reichthum ihrer Sammlungen über-treffen worden. Selbst der Handel treibende Privatmann richtet seinAuge auf diesen Zweck, und ihm verdanken wir einen sehr großenTheil der Schätze, auf welche jetzt unsere Naturalienkabinette mitRecht stolz sind.

Die Folge so vielfältiger, sämmtlich zu einem Ziele gerichteterBestrebungen ist ein Reichthum von Kenntnissen, den wir noch vorwenigen Jahren kaum ahnen durften. Linus zeigte im Jahre 1778in seinem allgemeinen Kataloge der Pflanzen nahe 8000 Arten an.Nach dreißig Jahren erschien des Werk Wildenow's, das 25,000Arten enthält. Decandölle beschäftigt sich jetzt mit einem, das40,000 enthalten wird. Die seltsamen Formen dieser neuen Pflanzen be-fremden uns nicht weniger, als diese Zahlen, und Linns hat gewißnicht die Existenz der kallesm vermuthet, dieser Schmarotzerpflanze,die weder Stamm noch Blätter zeigt, und die bloß in einer Blumebesteht, aber in einer Blume, die drei Fuß im Durchmesser hat.Man hat dieses merkwürdige Gewächs in den Wäldern vom Suma-tra entdeckt.

Eben so sehr ist die Zahl der letzt lebenden Quatrupeden ange-wachsen. Buffon hat sie aus nahe 300 geschätzt, DeSmaretszählt ihrer jetzt schon 700. Man glaubte, die größeren Arten wärenbereits alle bekannt, aber das einzige Indien hat uns sehr viele großeund ganz neue Thierarten kennen gelehrt. Lacepede zählte vorzwanzig Jahren noch nicht 300 Fischarten, das königliche Kabinet inParis besitzt jetzt schon 2500 Arten. Von den Würmern, welchein dem Körper anderer Thiere leben, hat «nS Rudolphi eine ganzneue Welt aufgeschlossen. Noch aber muß uns die täglich wach-sende Anzahl der Insekten mit Staunen erfüllen. Jeder Reisendebringt Tausende derselben nach seiner Heimat zurück. Das k. Kabi-uet in PariS besitzt gegenwärtig über 2500 Arten, und nach einer mä-ßigen Schätzung befinden sich in den übrigen Kabinetten Europas we-nigstens noch einmal so viel. Latreille hat berechnet, daß einMensch, der alle bisher gesammelten Insekten beschreiben wollte, drei-ßig Jahre ohne Unterbrechung daran arbeiten müßte. Während dieserZeit werde« aber, wenn der Eifer der Reisenden nicht nachläßt, wie-