Band 
Dritter Band.
Seite
190
JPEG-Download
 

190

Cuvicr, Naturwissenschaften.

der eben so viel neue Speci'eö gefunden werden. Dazu muß bemerktwerden, daß hier bloß von kurzen äußeren Beschreibungen die Redeist, denn viele dieser Insekten, selbst die am meisten verachteten, bie-ten in ihrer inneren Organisation so viel Wunder dar, daß die genaueBeschreibung von zwei oder drei derselben Aon ein ganzes Menschen-leben vollauf beschäftigen würde. So hat Lyonnet zehn volle Jahrean einem Werke über eine einzige Raupe gearbeitet, und Straußhat uns mit einem ähnlichen über den Maikäfer beschenkt. In diesemkaum einen Zoll langen Thierchen findet man die wunderbarste Einrich-tung und eine Zartheit und Schönheit der innern Theile, die daSAuge entzückt, als ob alles nur darauf berechnet wäre, dem Menschenzu gefallen, dem Menschen, der vielleicht, seitdem die Welt besteht,zum ersten Male seinen Blick darauf geworfen hat. Welchen Zweckmag die Natur gehabt haben, ihre verborgensten Werke, die sie unsernBlicken gleichsam neidisch entzogen hat, mit den reichsten Schönheitenauszustatten? Jene Tausende von Fischen z. B., deren Schuppenmit dem Glänze deS Goldeö und aller Edelsteine geschmückt sind, wo-rin sich alle Farben deö Regenbogens spiegeln — warum sind sieunseren Blicken entzogen, in den Tiefen deS Oceans verborgen, wosie sich kaum einander selbst sehen können, da das Licht nicht mehr inden Abgrund dringt, in welchem sie leben.

Das Vorhergehende kann allerdings noch keinen genügenden Be-griff von dem wahrhaft übergroßen Reichthume deö Werkes geben,welches wir den Lesern näher anzeigen wollten. Wir haben uns indieser Anzeige nur auf einige, nicht sowohl dem bloßen gelehrtenNaturforscher, als vielmehr dem größeren Kreise von Lesern interessanteResultate beschränken müssen, um diese Bemerkungen nicht zu sehrausdehnen. Uebrigcns darf zu einer vollständigen Würdigung desWerkes nicht übersehen werden, daß eS eigentlich nur eine Sammlungder sogenannten Berichterstattungen ist, welche Cuvier über die vonverschiedenen Physikern der Akademie eingesendeten Memoiren in denVersammlungen der Akademie vorgelesen hat. Da diesen Berichtendie Memoiren, auf welche sie sich beziehen, gewöhnlich in demselbenBande, der die Berichte enthält, umständlich folgen, so war eS aller-dings zweckmäßig, sich so kurz zu fassen, und gleichsam nur eine all-gemeine Anzeige der MemoirS selbst zu geben. Allein in unserer ge-genwärtigen Sammlung erscheinen diese Anzeigen ohne jene Memoi-ren, und ihre dort sehr zweckmäßige Kürze wird vielen hier nichtmehr sehr angemessen erscheinen. Ohne Zweifel würde die Absicht,