Band 
Dritter Band.
Seite
394
JPEG-Download
 

394 >VbkrvsII, Uistor^ os inäuot. soivnoe».

Hülfe, die Wahrfeit finden können, machten fie auch ihr Recht daraufgeltend."

Der Vorzug des Copernikanischen Systems, sagt man gewöhn»lich, besteht darin, daß es die Erscheinungen des Himmels auf eineeinfachere und sogleich vollständigere Weise erklärte, als das Ptole-mäische. So scheint cS uns setzt allerdings, und wir können daherauch nicht wohl umhin, die vielen Gegner, die sich im Anfange ge-gen das neue System erhoben, für blind und in Vorurthcilenbefangen zu erklären, da sie ganz unfähig waren, die Schönheit undEinfachheit und die wunderbare Symmetrie desselben einzusehen. Aberdieß unser Urtheil zeugt vielleicht nur selbst wieder von unserereigenen Befangenheit in den Ansichten unserer Zeit, an die wir vonfrüher Kindheit an'unö gewöhnt haben. Denn, ohne hier von derinnern Wahrheit dieses Systems zu sprechen, die keinem weiteren Zwei-fel unterliegt, dürfen wir doch die Frage stellen, ob denn, vor derZeit deö Copernikuö, sein heliocentrisches System in der That ein sogroßes Uebergewicht in der Meinung der Menschen über das geocen-trische System des Ptolemäus zu haben sich rühmen konnte? —>Worin besteht die eigentliche Basis jenes heliocentrischen Systems?— „Daß die scheinbaren Bewegungen der Planeten dieselben blei-ben in dem einen wie in dem anderen Systeme." — So weit alsokonnte eines vor dem andern keinen Vorzug ansprechen. Aber, heißtes, CopernikuS hat den Vortheil der Einfachheit für sich. UndPtolomäus, kann man antworten, hat den noch viel größer» deS äus-ser» ScheinS des Zeugnisses unserer Augen. Allerdings sind beideEigenschaften, Einfachheit und offenbarer Sinnenschein, nurvage und unbestimmte Begriffe, aber der letzte ist sehr geeignet, beiden Meisten den Sieg über jenen zu erhalten, besonders wenn manbedenkt, daß es mit jener Einfachheit des neuen Systems, wenn das-selbe näher betrachtet wird, auch noch sein Bedenken hat. Denn wenndie neue Lehre auch von den verschiedenen Ungleichheiten in der Be-wegung der Sonne, des Mondes und der Planeten eben so Rechnungtragen soll, wie es die alte zu thun sich bemüht hat, so ist jene wohlnicht mehr mit Recht ein sehr einfaches System zu nennen. Coper-nikus mußte das, was das alte System complicirt gemacht hatte, dieEpicykel mit ihren excentrischen Kreisen, auch in seinem neuen Sy-steme beibehalten, und ohne diesen Apparat würde das neue, in Be->ziehung auf Genauigkeit, weit hinter dem alten zurückgeblieben seyn.Wir dürfen uns daher nicht verwundern, wenn das neue System an-